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Asiaten die besseren Lehrer? - Falscher Chinese -
Was bei großartigen Kampfkunstlehrern wirklich zählt, ist nicht die Abstammung. Es sind die Werte und das Können - und wie bei jedem Lehrer - die pädagogischen Fähigkeiten, Wissen zu vermitteln. Viele Geschäftsleute nutzen unsere Gutgläubigkeit gegenüber den Meistern aus Fernost aus. Hierzu ein Beispiel: Vor einigen Jahren traf ich bei einem Kata-Turnier einen bekannten Sportler, der sich immer wichtiger darstellte, als er es war. Dabei hatte er es gar nicht nötig, denn seine Darbietungen waren formidabel. Wäre da nicht dieser Beigeschmack gewesen, dass er sich durch das Abverlangen besonderer Demutsgesten von seinen Schülern unbeliebt gemacht hätte; er wäre überall ein geschätzter Mann gewesen, der von vielen Sportschulen zu Seminaren eingeladen worden wäre und in Magazinen positive PR gefunden hätte. Doch er schwor lieber auf asiatische Werte - und zwar genau auf die falschen asiatischen Werte. Er stellte sich mit einem Chinesen vor die Leute und pries ihn als seinen großen Shaolin-Meister an, von dem er viele Dinge gelernt haben wollte, die Normalsterbliche nicht erlernen können. Sein Meister, der von Hong Kong gekommen sein wollte, um die Früchte seiner Lehre bei seinem Meisterschüler zu beobachten, reagierte nicht auf Anfragen, denn er sprach angeblich nur Chinesisch. Als man jemand fand, der sich mit ihm verständigen konnte, bestand er darauf, dass er nur einen speziellen Dialekt spreche und eine Verständigung nicht für möglich halte. Später gab er ein Seminar, das so aussah: Der müde Chinese saß auf einem Küchenstuhl, sein Meisterschüler unterrichtete für eine halbe Stunde - Normalprogramm wie in jedem Dojo - und alle Schüler mussten sich ständig vor dem besetzten Küchenstuhl verbeugen. Kann man auf solche Meister verzichten?Ein Hotel in einer deutschen Großstadt kann es nicht, denn dort ist der vermeintliche Großmeister als Küchenhilfe angestellt, wie wir später herausgefunden haben. Er lebt seit über 20 Jahren hier und spricht fließend Deutsch. Die Schüler des deutschen Meisterkönners sind einer List ihres Lehrers aufgesessen, der die Glaubwürdigkeit der Asiaten ausgenutzt hat. Doch er ist nicht der einzige, denn Asiaten sind aufgrund ihrer schlechten Durchschaubarkeit meist mit ebensoviel Vorsicht wie Respekt zu genießen. Also: Wer von einem Asiaten lernen will, sollte nicht dem Schein trauen. Wenn ein Asiate - ob Chinese, Japaner oder Koreaner - sein Können nicht demonstrieren kann, oder einem nur durch Zuschauen etwas beibringen will, dann ist etwas faul. Entweder am Asiaten selbst oder an seinem europäischen Geschäftspartner/Meisterschüler. Die Zeiten, als man noch an Legenden glaubte, sind lange vorbei. Kampfkunst zu erlernen, ist wie eine Sprache kennen zu lernen: anschauen, den Sinn erkennen, verhandeln, lernen, anwenden. Das Gefühl für die Feinheiten bekommt man bei der Anwendung durch eigene Erfahrung. Zu diesem Zeitpunkt erkennt man leicht, ob ein Meister, der sich für wichtig hält oder von anderen dafür gehalten wird, wirklich so wichtig ist. Quelle: Michael Deubner - Kick März/April Ausgabe 96 |