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Chuan Fa

Entgegen allgemeiner Auffassung ist Bodhidharma nicht der Begründer
des chinesischen
Boxens, liegt doch das Aufkommen des Kung-Fu und verwandter Systeme
erheblich weiter zurück, was auch verschiedene Quellen eindeutig
belegen. So weisen z.B. Wandfresken bei Thiensin (VR China, Provinz
Hopei) und verschiedene Vasenfunde (datiert um 700 v.Chr.) auf
Faustkampfmethoden hin. Erste Hinweise auf eine nicht näher beschriebene
Kriegskunst finden sich zudem in dem literarischen Werk „Han-Shu", einer
chinesischen Chronik über die Han-Dynastie (202 v.Chr. bis 220 n.Chr.).
Eine andere Ursprungstheorie erwähnt der amerikanische Histriker Michael
Stapels, die auch von chinesischen Experten weitgehend anerkannt wird.
Von Stapels weißt auf den chinesischen Arzt HuaTo (ca. 265-190 v. Chr.)
hin, der in seinem Werk „Shu-Pu" bereits von einer Kampfmethode
berichtet, die auf Beobachtung der defensiven und offensiven Bewegungen
und charakteristischen Körperhaltungen von 5 Tieren basierte.
Hieraus entwickelte Hua-To (auch: Hwa-Thor) eine Reihe von Übungen, die
als WuCh'in-Hsi oder „die Posse der fünf Tiere" bekannt wurde. Weitere
Hinweise auf die frühe Existenz von chinesischen Faustkampfmethoden
lieferten die Ausgrabungen der sogenannten Terrakotta Armee des Kaisers
Qin Shihuang (um 200 v.Chr.), Wandfresken eines Han-Grabes in der Nähe
des Shaolin-Klosters, die Überlieferungen der frühen Ringer-Techniken
der Chiao-Ti-Schule oder die Aufzeichnungen des chinesischen Feldherrn
Pan Ch'ao (31 - 100 n.Chr.) über die Kunst des Chi-Chi (Schlagen mit
Geschicklichkeit), die von einem Mann namens Kwock-Yee entwickelt
wurden. Anhand dieser Erkenntnisse fällt es schwer, den indischen Mönch
Bodhidharma als „Urvater" der asiatischen Kriegskünste zu bezeichnen;
Selbst die Beeinflussung des alten Ch'uan-Shu oder Mönchboxens durch den
indischen Wandermönch ist umstritten, was die Existenz einer bereits in
China praktizierten Kriegskunst vor Bodhidharmas Erscheinen im
Shaolin-Kloster unterstreicht.
Inwieweit er allerdings Kenntnisse über ein Kampfsystem hatte, das auf
einen indischen Ursprung zurückgeht (z.B. das Varma Kalai) ist nicht
bekannt. Die oftmals genannten buddhistischen Techniken des Lo-Han (Lohan-Kuen
oder 18 Techniken buddhistischer Gottheiten), die in diesem Zusammenhang
vielfach Bodhidharma zugeschrieben werden, wurden nach Meinung von
Fachleuten vom Shaolin-Mönch Ba-Tuo entwickelt. Bodhidharmas Beitrag zur
Entwicklung des Shaolin-Kung-Fu dürfte laut Überlieferung in seiner
Systematisierung gymnastischer Übungen, den s.g. 24 Muskelspielen
liegen, die vermutlich aus dem indischen Yoga stammen. Hinzu kommt das „Wu-Teh",
womit allgemein die Eigenschaften der Disziplin, die Bescheidenheit und
die Achtung vor dem menschlichen Leben gemeint ist.
Man darf annehmen, dass die Entwicklung des chinesischen Boxens nicht
einer einzelnen Person zugeschrieben werden kann; vielmehr deuten
verschiedene Fakten darauf hin, dass es über Jahrhunderte verfeinert und
weiterentwickelt wurde. So entstand in der Folgezeit aus dem Mönchboxen
Ch'uan-Shu das eigentliche Shaolin-Kung-Fu, bestehend aus dem Lohan-Kuen
und den 72 Elementen der Experten Yuan, Li und Pai-Yu-Fong. Dieses wurde
1522 zu einem System mit 172 Techniken (Ch'uan-Fa) erweitert, Diese
Zusammenfassung ist unter der Bezeichnung Shaolin-Shu (auch:
Siu-Lum-Kune oder Shaolin-Ch'uan) bekannt.
Es wird in fünf Tierstile (auch: Fünf-Faust-Formen oder
Shaolin-Hung-Kuen) mit drei fundamentalen Richtungen unterteilt:
1. Hung-Chia (Hung-Jia oder Hung-Ch'uan): Klassischer Fünf-Tiere-Stil
und vermutlich die erste erweiterte Form des Shaolin-Shu.
2. Kung-Chia (Kung-Jia oder Kung-Ch'uan): Der „zarte" Stil. Vermutlich
der erste Stil der inneren, weichen Schule (auf die noch eingegangen
wird), der im Shaolin-Kloster praktiziert wurde. Eine Trennung zwischen
s.g. äußeren und inneren (harten und weichen) Stilen, wie sie heute
unterschieden werden, gab es vermutlich (noch) nicht.
3. Yu-Chia (Yu-Jia oder Yu-Ch'uan): Mischform der zwei oben genannten
Richtungen. Die genannten Formen zerfallen ihrerseits in vier Stile, die
unter dem Sammelbegriff Yue-Ch'uan bekannt sind: Ta-Sheng-Men (oder:
Ta-Hsing-Ch'uan), Lo-Han, Er-Lang-Men und Wei-To-Men.
Diese Gliederung gibt die wichtigsten Stile und Methoden wieder, die
allgemein als nördliches Shaolin-Kung-Fu bekannt sind. Sie waren bis zum
Beginn des 18. Jahrhunderts die führenden Systeme des chinesischen
Boxens. Aber politische Wirren, kriegerische Auseinandersetzungen und
verheerende Brände im Shaolin-Kloster führten dazu, dass in dieser Zeit
viele Mönche gezwungenermaßen ihr Stammkloster in der Provinz Henan
verlassen mussten.
Zahlreiche von ihnen fanden Zuflucht in Klöstern Tibets und Südchinas.
Die herausragenden waren das „Juk-Lam-Kloster" (Entstehungsort des
Kung-Fu-Systems Chu-Lim-Tang-Lang), das Ngo-Mee-Kloster (bekannt für den
gleichnamigen Stil) und der Shaolin-Tempel in der Provinz Fukien, nahe
der Stadt Chu-an Chao (Provinz Guandong -Südchina). Viele Stile wurden
auf diese Weise relativ früh außerhalb des Henan-Klosters weitergegeben
und den Gegebenheiten Südchinas angepasst.
Generell beinhalten die nördlichen Stile (Bei-Chuan) lange Techniken,
eine Vielzahl komplizierter Fußtechniken und zahlreiche Sprungelemente,
hingegen die südliche Schule (Nan-Chuan) mehr Gewicht auf präzise
Handtechniken legt.
Dieses führte schließlich zur Schaffung der Shaolin-Toanta (auch:
Lin-Wan-Kune), eine Systematisierung von 108 weiteren Elementen
(Stilen), die als Gegengewicht zum Shaolin-Shu des Nordens geschaffen
wurde. Die fundamentalen Systeme dieser Gruppe zählen heute zu den
führenden Schulen des chinesischen Boxens: Choy-Gar (Choy-Mok), Hung-Gar
(Hung-Hok-Pai), Li-Gar (vermutlich identisch mit Lee-Gar), Liu-Gar (Liu-Jia),
Mo-Gar (Mo-Jia) und Wing Chun (Wing Tsun oder Yun Chun).
Zusammen mit dem Shaolin-Shu bildet die Shaolin-Toanta den tragenden
Pfeiler der s.g. harten Schule, die unter dem Sammelbegriff Shaolin-Pai
(Wei-Jia oder auch External Systems) zusammengefasst sind. Nahezu zwei
Drittel aller heute bekannten Kung-Fu-Systeme haben ihren Ursprung im
Shaolin-Pai, wovon einige, wie z.B. das Hung-Gar und Hao- (Er-) Chuan (white
crane), maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung des Okinawa-Te und des
späteren Karate hatten.
Unter dem Begriff Wutang-Pai (Wu-Dang Wu-Kung, Nei-Jia oder auch
Infernal Systems) ist eine besondere Form des chinesischen Boxens
zusammengefasst, das aus ca. 40 Stilrichtungen besteht. Sie entstanden
vermutlich aus dem klassischen Shaolin-Stil Kung-Jia, der seit der
Ming-Dynastie (1369 -1644) praktiziert wurde. Hierbei handelt es sich
vermutlich um das Hsing-l (auch: l-Ch'uan, Shin-Yi-Ch'uan oder
Xing-Xi-Quan), das drei bedeutende Schulen hatte: Henan, Hopei und
Shansi. Von ihnen wurden folgende Stile entwickelt: Heng-Ch'uan,
Pa'o-Ch'uan, Peng-Ch'uan, Pi- Ch'uan und Ts'uan-Ch'uan (auch:
Ch'an-Ch'uan). Diese basieren wiederum auf charakteristischen Boxformen,
die von zwölf Tieren abgeleitet wurden (Shi-Er-Xing-Yi-Ch'uan).
Hsiing ist eine Methode mit hohen und lockeren Stellungen, offenbar
ununterbrochenen Bewegungen und komplizierten Stellungswechseln in
geraden Linien. Die bekanntesten Vertreter sind die Meister
Wang-Chu-Chin, Hung I-Hsiang und der legendäre Sun-Lu-Tang (1859-1933).
Ergänzungen von Thorsten Schwarz
Meine Auffassung über Hsing I Chúan, so wie ich es von Prof. Sun Jianguo
und Moshe Kastiel erlernt habe, stellt sich etwas anders dar. Danach
setzt sich das Hsing I Chúan aus dem Wu Xing Chúan (Fünf Elemente Übung;
Pi Chúan, Beng Chúan, Zhuang Chúan, Pao Chúan und Heng Chúan) und dem
Shr Er Xing (Zwölf Tiere Übung) zusammen. Darauf folgen zusammengesetzte
Formen und Partnerübungen. Das Wu Xing leitet sich nicht von den Tieren
ab, sondern von den Fünf Elementen (Jing, Mu, Sui, Hua und To). Die
Ausführung der Inhalte der einzelnen Stile weichen zum Teil erheblich
voneinander ab.

Eine japanische Synthese ist das von Kenichi Sawai (geb. 1903)
geschaffene Tai-Kiken. Ein weiterer Stil des Wu-Tang-Pai ist das
Tai-Chi-Ch'uan, das als Gymnastik- und Selbstverteidigungssystem das
wohl meistverbreitete Kriegskunst-System der Welt ist.
Der Ursprung dieser auch als „Superboxen", „Grand Ultimate Boxing" oder
„chinesisches Schattenboxen" bekannten Form ist nicht eindeutig geklärt.
Aus der Überlieferung stammen folgende Gründungstheorien:
Gründung des Tai-Chi-Ch'uan durch den taoistischen Priester Chang
San-Feng (1280 -1370)
Gründung durch den Gelehrten Wang Tsung-Yueh (Mandschu-Dynastie,
1736-1795)
Gründung durch die Familie Chen (Ming-Dynastie, 1368 -1644)
Das Sumo gehört bekanntlich zu den ältesten japanische Kriegskunstarten.
Doch trotzdem hat es - wie so viele Verzweigungen der Kriegskunst -
seinen Ursprung in China. Nachweislich waren bereits im 7. Jahrhundert
v. Chr. im Norden Chinas Ringertechniken bekannt. Diese hießen „Chiao-Ti
(Chih-Yu-Hsi)". Ähnliche Ringermethoden wie etwa die türkischen
Kampfsportarten Güresch (Yagli Güresch) und Kirpinar, aber auch die
russischen Systeme Hapsagaj, Chidaoba und Gjules, dürften auf
mongolische Ur-Formen zurückgehen. Die Entstehung ist in der s.g. Chou-
oder Türken-Dynastie von 1050 - 256 v. Chr. in China angesiedelt.
Bevor das Shaolin-Kung-Fu in China bekannt wurde, gab es bereits etliche
Formen der Kriegskunst, die verteilt im Reich der Mitte, eine eigene
Entwicklung durchmachten.
Schon vor 4000 Jahren wurden die damals bekannten Kriegskunst-Techniken
hauptsächlich als eine Art Selbstverteidigung ausgeführt. Diese Übungen
wurden von einem Meister entwickelt, dessen Name nicht überliefert
wurde. Er wollte damit die Gesundheit seiner Schüler fördern, die
Muskeln stählen und die inneren Organe anregen, damit sie länger und
besser leben sollten.
Diese Methode der Gesunderhaltung hatte große Erfolge vorzuweisen, was
natürlich auch den chinesischen Ärzten nicht verborgen blieb. So dauerte
es nicht lange, da gehörte das Kriegskunsttraining (Taiji oder Tai Chi)
zur Therapie vieler chinesischer Mediziner. Aus den anfänglichen sehr
einfachen Techniken entwickelte sich' ein komplexes System.
Die Kampftechnik wurde mit der „inneren Kraft", dem Chi, gekoppelt und
schnell erwies sich, dass Geist und Körper in perfekter Harmonie zu
erstaunlichen und unglaublichen Leistungen fähig war. Dazu kam, dass
alle Übungen der menschlichen Anatomie entsprachen und nicht wie z.B.
beim Yoga die Glieder des Übenden in schmerzvolle, unnatürliche
Haltungen zwängte.
Diese Form teilte sich in zwei Hauptrichtungen, die „weichen" und die
„harten" Stile, die sich wiederum in viele Unterstile unterteilten. Das
harte Tai Chi war kraftvoll und imitierte die starken Faust- und
Fußtechniken im Angriff und in der Verteidigung. Das weiche Tai Chi ist
zu einem Übungssystem herangereift. Das weiche Tai Chi ist zu einem
Übungssystem herangereift. Das weicher und runder in den Techniken ist
und kaum noch an Kampf erinnert.
Im Shaolin-Kung-Fu, das ohne den Chan- oder jap. Zen-Buddhismus nicht
denkbar wäre, liegen absoluter Gegensatz und Harmonie eng beieinander.
Der religiöse Ursprung des Shaolin-Kung-Fu verkörpert in einer geradezu
faszinierenden Weise die unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeit einer
Religions- oder Glaubensrichtung. Die meisten der existierenden
Religionen sprechen sich eindeutig gegen Gewaltanwendung aus. Auch der
Buddhismus tritt für Gewaltfreiheit und Toleranz ein.
Im 4. und 5. Jahrhundert, in der „Zeit der sich bekämpfenden Reiche",
wurde von den großen Gelehrten Konfuzius, Laotse und vielen anderen
namhaften chinesischen Philosophen ihre Weltanschauungen entwickelt. Der
Buddhismus war anfangs eine Reaktion auf die herrschenden indischen
Kasten, die zu dieser Zeit den Brahmanismus praktizierten.
Der Buddhismus versucht im Ursprung zu erklären, dass alle Dinge eine
Ursache haben. Er bietet Antworten auf die Fragen des Seins. Er
beschäftigt sich mit der Arbeitsweise des Geistes und anderen
philosophischen Aspekten. So hält der Buddhismus für fast alle Phänomene
unseres Universums Erklärungen bereit. Auch die großen Philosophen
dieser Zeit nahmen immer wieder den Buddhismus als Grundstütze für ihre
Ausführungen.
Erst 400 Jahre nach seinem Entstehen in Indien fand er seinen Weg nach
China. Die erste Grundform des Buddhismus, die Hinaya-na-Form, fand in
China keine Akzeptanz, da diese Art des Buddhismus nicht auf die
chinesischen Gegebenheiten zugeschnitten war.
Religion vs. Kriegskunst

Der indische Mönch Ba Tuo, der um 490 n.Chr. das Shaolin-Kloster
gründete, konnte die Chinesen von seinem Glauben nicht überzeugen. Als
im Jahre 527 n.Chr. der indische Mönch Bodhidharma auf dem Seeweg nach
China kam und dort die Schule des „Chan" begründete, änderte sich die
Situation schlagartig. Bodhidharma ließ sich am Fuße des Berges Song,
oberhalb des Shaolin-Klosters nieder. Er versammelte einen Großteil der
Mönche um sich und verbreitete den von ihm begründeten „Chan"-Buddhismus,
der der chinesischen Mentalität sehr entgegenkam.Er entwickelte die „18
Boxtechniken der Shaolin", die die Mönche fortan bereitwillig
trainierten. Der Chan-Buddhismus akzeptiert fast alle Formen des
Verhaltens (außer das Stehlen, Töten und sexuellem Fehlverhalten). Aus
diesem Grunde wurden im Shaolin-Kloster auch Mönche aufgenommen, die nur
einen Teil der buddhistischen Lehre annehmen wollten.
Diese enorme religiöse Toleranz war auch der Grundstein für die
Akzeptanz der „kämpfenden Mönche" im Shaolin-Kloster. Hier wurde kaum
Wert auf ein asketisches Leben wie in anderen Klöstern gelegt. Ebenso
war für die Kampfmönche das Studium der buddhistischen Schriften eher
nur „Nebensache". Vielmehr war es wichtig, sich in gymnastischen Übungen
und anderen Körperertüchtigungen zu schulen.
In der Überlieferung der Geschichte des Boddhidharma steht geschrieben,
dass er selbst neun Jahre lang in einer Höhle oberhalb des Klosters vor
einer Wand gesessen haben soll, um zu meditieren. Was letztlich daran
wahr ist, sei dahingestellt. Unbestritten ist jedoch, dass seine
jahrelange Meditation den Anstoß für die Entwicklung des Shaolin-Kung-Fu
gegeben hat.
Zu Beginn der Tang-Dynastie im Jahre 621 n.Chr. tobte ein erbitterter
Kampf zwischen Li Shimin, einem nordchinesischen Adeligen, dessen Vater
die Tang-Dynastie begründete, und einem General der Sui-Dynastie, Wang
Shigong. Dieser hatte von den Kriegskünsten der Shaolin-Mönche gehört
und bat sie, dass Land von Li Shimin zu befreien. Die Mönche des
Shaolin-Klosters willigten ein und schlugen in der berühmten Schlacht
von Qianglingkou die Truppen des Shigong die Flucht.
Shimin wurde zum Kaiser der Tang-Dynastie gekrönt und zeigte sich
gegenüber den Shaolin-Mönchen sehr großzügig. Der Shaolin-Mönch Tang
Zong wurde zum „großen General" ernannt und das Kloster bekam 40 Hektar
Land geschenkt. Weiter erhielt das Kloster die Erlaubnis, eine eigene
Armee zu bilden. Der Begriff „Kampfmönch" wurde geboren, und die Mönche
des Shaolin-Klosters standen im gesamten chinesischen Reich in hohem
Ansehen.
In der Ming-Dynastie (1368 -1644) erlebte das Shaolin-Kung-Fu einen
enormen Aufschwung. Die Armee des Klosters war nun 2500 Mann stark, und
das Kung-Fu des Klosters wurde in unzähligen Varianten und Techniken
ausgeübt. Die Regierung der Ming-Dynastie förderte das Shaolin-Kung-Fu
in allen möglichen Formen. So wurden Waffentechniken, das Chi-Gung die
innere Kraft, Meditation und alle bekannten Faustformen zum täglichen
Trainingsprogramm der Mönche.
Und wieder war es eine politische Veränderung, die dem Shaolin-Kung-Fu
in der Weiterentwicklung half. In der Qing-Dynastie von 1644 - 1911
wurde Kriegskunst (egal welche Richtung) allgemein verboten, und viele
Mönche verließen das Kloster. Doch die Herren der Qing-Dynastie
erreichten mit ihrem Verbot genau das Gegenteil. Die alte Kunst des
Shaolin-Kung-Fu mit ihren vielfältigen Arten wurde noch umfassender und
vollständiger. Die Mönche, die in das Land hinauszogen, um „Buddhismus"
zu verbreiten, sahen viele neue Arten des Kampfes, die sie
niederschrieben und mit in das Kloster zurückbrachten. Dadurch ergaben
sich facettenreiche, mit neuen Techniken und Eindrücken versehene
Stilarten, die in das bestehende Shaolin-Kung-Fu integriert wurden. Bis
zum heutigen Tage ist das Shaolin-Kung-Fu die größte und bekannteste
Kriegskunst Chinas.
Außerhalb des Klosters sind in den letzten 50 Jahren zahlreiche Schulen
und Institutionen entstanden, die das Shaolin-Kung-Fu lehren. Darunter
z.B. die Ta-Go Schule in Dengfeng, die mit ca. 6000 Schülern zu den
größten Shaolin-Kung-Fu-Schulen der VR-China zählt.
Bilder
Entstehungsdaten des Kung-Fu
1200 bis 77t v.Chr. Xin" und Zhou-Oynastie. In dieser Periode tauchten
schon Bronzewaffen auf, wie der Speer, der Dolch und die Schlagaxt. Aus
dieser Zeit stammen daher auch die Übungen wie Stoßen, Stechen, Schlagen
usw. Damals schon wurden Wettkämpfe für verschiedene Kriegskünste
durchgeführt, um Kraft, Geschicklichkeit und Gewandtheit zu erproben und
die Wehrtüchtigkeit unter Beweis zu stellen.
771 bis 221 v.Chr. Spring- und Autumn-Periode. Zu dieser Zeit stellten
die Menschen schon mehr und mehr eiserne Waffen her; auch nahm deren
Vielfalt zu. Gleichzeitig wurde Wushu von der bisher mehr tänzerischen
Kunst zu einer regelrechten Kriegskunst entwickelt, verbessert und
erfuhr zugleich eine deutlich spürbare Ausbreitung. Nach den
Überlieferungen aus dieser Zeit wurden verschiedene Übungen - besonders
geeignet für Angriff, Verteidigung, Gegen- und Scheinangriffe -
entwickelt und in die Wettkämpfe eingeführt.
221 vor bis 220 n.Chr. Qin-und Han-Dynastie. In dieser Periode waren
zunächst mehr der Faustkampf und das Ringen bekannt und wurden daher von
breiten Bevölkerungsschichten praktiziert. Aber der sog. „Waffentanz"
aus dieser Zeit hatte die Einbeziehung weiterer Angriffsübungen in die
Kriegskünste von Wushu zur Folge. Dementsprechend entwickelten sich
vollständige Serien fester Regeln für die einzelnen Kampfstile.
In den beiden letzten Jahrhunderten entstanden zahlreiche Wushu-Schulen
mit ähnlichen Organisationsstrukturen, aber mit sehr vielen
verschiedenen Kampfstilen. Dreizehn dieser Schulen sind in den
„Berichten über die Han-Dynastie" in allen Details beschrieben. In 199
Artikeln wird eingehend, sachkundig und fachmännisch über die
verschiedenen Stile der chinesischen Kriegskünste Wushu dieser Zeit
berichtet.
220 bis 531 n.Chr. Eastern und Western, J'm-i Southern und Northern
Dynastie. In dieser Zeitperiode beschäftigten sich die Angehörigen der
gehobenen Bevölkerungsklasse eher mit dem „Übersinnlichen". Sie zogen
den „Mystizismus" den praktischen, soldatischen Übungen vor: Wushu
erlebte einen deutlichen Niedergang.
5S1 bis 907 n.Chr. Sui- und Tang-Dynastie. In diesen drei Jahrhunderten
erlebte das Wushu einen neuen Aufschwung, einhergehend mit einer
allgemeinen Steigerung des Wohlstandes der Bevölkerung. Damals wurden in
die sog.,, Kaiserlichen Prüfungen" (für die Aufnahme in den kaiserlichen
Dienst) Boxübungen mit einbezogen. Diese Vorschriften führten dazu, dass
sich wieder breitere Bevölkerungsschichten verstärkt für das Wushu
interessierten.
907 bis 1271 n.Chr. Song-Dynastie. In diesem Zeitraum entwickelten sich
erneut mitgliederstarke Wushu-Organisationen, wie z.B. die „Jinbiao-Society"
(Crossbow-Armbrust) und die .Yingjue-Society" (Stockkampf). Überall in
den Straßen und auf den Plätzen konnte man Menschen sehen, die die
verschiedenen Wushu-Stile praktizierten. Ursprünglich hatte man den
verschiedenen Stilen die Namen der Tiere gegeben, deren Verhalten man in
der freien Wildbahn beobachtet hatte, wie z.B. Tiger, Schlange, Affe,
Kranich usw. Später wurden Namen von Waffen beigefügt, z.B. Stock,
Speer, Breitschwert, Hellebarde usw.
In der weiteren Entwicklung erhielten die verschiedenen Kampfstile
nunmehr auch den Namen des Begründers oder des Lehrmeisters. Die
Menschen dieser Tage übten aber nicht nur das Schattenboxen und die
verschiedenen Waffenstile in der Einzelvorführung (Form), sondern übten
sich auch - und das war jetzt neu - in Zweikämpfen, z.B. Speer gegen
Schild, Breitschwert gegen Speer usw.
1271 bis 1368 n.Chr. Yuan-Dynastie. In diesem Zeitabschnitt wurde das
einfache Volk von der Ausübung von Kriegskünsten ausgeschlossen: selbst
der private Waffenbesitz wurde unter Strafe gestellt. Trotzdem - so die
Überlieferung - haben die Menschen damals Wushu geheim, im geschlossenen
Familienkreis praktiziert.
1368 bis 1644 n.Chr. Ming-Dynastie und 1644 bis 1911 n.Chr.
Qing-Dynastie. Wieder trat ein sehr großer Wandel ein, und Wushu erfuhr
nicht nur offizielle Anerkennung, sondern auch gleichzeitig eine
ungeheure Ausbreitung. Bedeutende Wushu-Schulen für die verschiedenen
Kampfstile wurden ins Leben gerufen. Oi Jiguang zählt in seinem Buch „Jixiao
New Book" allein 16 Schulen für Schattenboxen auf. Auch wenn Wushu mal
während der Qing-Dynastie eine gewisse Zeit verboten war, so breiteten
sich die Kriegskünste danach doch wieder über das ganze Land aus.
Initiatoren für diese Entwicklung waren s.g. Wushu-Gesellschaften. Sie
leisteten einen beachtlichen Beitrag zur Weiterentwicklung aller
Kriegskünste des Kung-Fu.
1911 bis 1949 n.Chr. In diesen Jahren hatte Wushu erneut eine starke
Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen, ausgelöst durch mehrere
Wushu-Gruppen, wie z.B. die Jingwu-Sports Assocation in Shanghai, der
größten und einflussreichsten Organisation, gegründet vom berühmten,
patriotischen Meister HuoYuanjia (1911). 1928 wurde in Nanjing die
Central Wushu Academy eingerichtet: auch in weiteren Städten und
Bezirken richtete man solche Wushu-Zentren ein. Viele bekannte
Wushu-Meister wurden eingeladen, um zu unterrichten. Aus diesen Zentren
sind in den letzten Jahren große Talente hervorgegangen. Nach der
Befreiung Chinas wurde die World-Wushu-Federation in Peking gegründet,
die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die chinesische Kriegskunst
weltweit zu organisieren und Meisterschaften durchzuführen.
1949 bis 1997 n.Chr. Die erste Wushu-Weltmeisterschaft fand 1993 in
Peking unter Beteiligung vieler Nationen statt. Auch Deutschland war
durch die Deutsche Wushu-Federation mit Wettkämpfern vertreten. Zuvor
konnte man Chinas Wushu-Experten bereits bei den Asien-Garnes bewundern.
Auch in Deutschland hat sich das Wushu zwischenzeitlich etabliert. Viele
Vereine und Verbände unterrichten die unterschiedlichsten Stilrichtungen
und immer mehr zeigen auch deutsche Teilnehmer auf internationalen
Kung-Fu/Wushu- Wettbewerben Ihr Können.
Quelle Huang Zhong (Press Commission of the Chinese Olympic Committee)
Kung Fu Bilder
Stilrichtungen
Die chinesischen Kriegskünste werden in zwei Hauptrichtungen unterteilt,
in die nördlichen und südlichen Stile. Als Unterscheidungskriterium gilt
hier, auf welcher Seite des Gelben Flusses ihr Ursprung liegt.
Die Stilrichtungen des Nordens sind bekannt für ihre große
Vielseitigkeit im Bereich der Beintechniken. Hohe Tritte und dynamische
Sprünge zeichnen die nördlichen Stile aus. Der Legende nach soll dies
ein Resultat der gebirgigen Landschaft im Norden Chinas sein, die den
Menschen eine starke Beinmuskulatur gab.
Die südlichen Stile sind für ihre tiefen Stellungen und kraftvolle
Armtechniken bekannt. Ein großer Teil des Südens Chinas ist von Flüssen
durchzogen und war überwiegend sehr sumpfig. Auf dem rutschigen nassen
Boden bildete ein fester und sicherer Stand die wichtigste
Vorraussetzung für einen Kampf.
Doch wenn jemand in der Lage war, sowohl einen nördlichen wie auch einen
südlichen Stil zu meistern, galt er als ein perfekter Kämpfer.
Einteilung in Nord und Süd Kung-Fu-Stile
Nord
Chang Shaolin - Shaolin-Kung-Fu - Tang Lang Quan - nördlicher
Gottesanbeterinnen-Stil
Tarn Tui - Die 12 Formen des General Tarn (auch die federnden Techniken
genannt. TaiJi Quan Urform des Tai Chi
Ba Kua - 8-Trigramme-Boxen
Xing Yi - Geistesboxen (Innerer Stil)
Wen Shen Quan - Übungen für ein langes Leben
Tong Be Quan Suei Chiao - chinesisches Ringen
Mi Zung Quan - die Techniken der versteckten Faust
Cha Quan - wie Tarn Tui - (islamischer Ursprung)
Hon Quan - Die Techniken des Affen
Liu He Ba Fa - 6-Harmonien-Stil (Essenz aus allen Stilen); Erläuterung
von Thorsten Schwarz - das Liu He Ba Fa ist keine Kombination aus vielen
Stilen, sondern aus Baguachang, Hsing I Chúan und Tai Chi Chúan. In der
Regel bezeichnet man manchmal Speziallisten aller drei Stile als
Ausübende des Liu He Ba Fa. Manche nehmen noch einen weiteren internen
Stil mit hinzu.
Long Ching Quan - Die Techniken des Drachen Stil
Tai Tzu Quan - Die Boxtechniken des 1. Sung-Kaisers
Ba Ji Quan - Die 8 speziellen Techniken
Wu Dang Quan - Die Techniken aus dem Wu Dang Gebirge
0 Mei Quan - Die Techniken aus dem 0-Mei Shaolin-Kloster
Di Tang Quan Techniken am Boden
Süd
Nam Shaolin Quan - Die Süd-Shaolin-Techniken
Hong Jia Quan - Die Tigerklauen-Techniken
Choy Li Fut - vermischter Nord-Süd Familien-Stil
Wing Chun - Selbstverteidigungs-Techniken
Zhou Jia Quan - Familienstil, der Schlangen -und Tiger-Techniken vereint
südliches Tang Lang Quan - Die Techniken der Gottesanbeterin
Bai He Quan - Die Techniken des weißen Kranichs
She Ollan - südlicher Schlangenstil
Ying Zao Quan - Die Techniken der Adlerklaue
Mo Jia Quan (Hung Gar) - Die Techniken der Eisenarme
Waffentechniken des Shaolin-Kung-Fu
Die Waffentechniken des Shaolin Chuan Fa sind im Laufe vieler Generation
entstanden. Sie wurden Schritt für Schritt entwickelt, während des
Trainings von den verschiedenen Meistern verfeinert und spezielle
Trainingsformen zusammengestellt, für den Kampf „Mann gegen Mann“
entwickelt, haben sie sich bis in unser Jahrhundert hinein immer wieder
in kämpferisch Auseinandersetzungen bewährt.
Heute scheint das Training mit den alten Waffen des Kung-Fu auf den
ersten Blick überflüssig. Und trotzdem kann man in der letzten Zeit ein
ansteigendes Interesse an den alten Waffentechniken verzeichnen. Es
scheint fast so, als ob die Form, in der heute Geschäfte abgewickelt
werden und die Art, in der früher mit Waffen gekämpft wurde, in einem
engen Bezug zueinander stehen.
Der geringste Fehler im Kampf mit der Waffe konnte den sofortigen Tod
bedeuten. Im Kampf um das große Geschäft bedeutet ein Fehler nicht
selten das finanzielle Aus. In beiden Fällen führt die bessere Taktik zu
einem Sieg. Es besteht ein großes Interesse an den Prinzipien und
Taktiken der Shaolin-Waffentechniken. Jedoch wollen fast alle
Interessenten den schnellen Erfolg und werden sich aus diesem Grunde
gerade in einer traditionellen Kung-Fu-Schule enttäuscht sehen.
Denn gerade die Waffenformen stellen einen der schwierigsten Teile des
Shaolin-Kung-Fu dar und sind untrennbar mit dessen Tradition verbunden.
Das heißt, dass es nicht möglich ist, das Waffentraining aus dem
Shaolin-System zu lösen, sondern man muss es als Einheit erlernen.
Leider ist dies jedoch so zeitaufwendig, dass das Interesse in unserer
schnelllebigen Zeit erlischt, bevor ein wirklicher Nutzen aus dem
Erlernten gezogen werden kann.
Dies könnte auch ein Grund dafür sein, warum man in Deutschland lange
suchen muss, bevor man eine Schule findet, in der
Shaolin-Waffentechniken überhaupt unterrichtet werden. Dies ist um so
merkwürdiger, betrachtet man die große Zahl der Kung-Fu-Schulen, die
ihren Ursprung, nach den Angaben der Lehrer, im Sao Lim Kung Fu haben.
Und wenn wir uns weiter daran erinnern, dass das Waffentraining nach wie
vor ein wesentlicher Bestandteil des Shaolin- Kung-Fu ist, ist dies kaum
zu verstehen.
Sollte man trotz allem eine traditionelle Shaolin-Schule gefunden haben,
in der die alten Waffentechniken unterrichtet werden und bedenkt, dass
in manchen dieser Schulen bis zu 50 und mehr verschiedene Waffen
unterrichtet werden, wird einem sehr schnell klar, warum behauptet wird,
dass ein Menschenleben kaum ausreicht, um alle Waffentechniken der
Shaolin perfekt zu meistern.
Die verschiedenen Waffen werden von den meisten Schulen auf Grund ihrer
Form und Anwendung in 5 Kategorien eingeteilt:
Die langen Waffen (z.B. Langstock, Speer
Die kurzen Waffen (z.B. Säbel, Schild)
Die weichen Waffen (z.B. Eisenpeitschen, Gliederstäbe)
Die doppelten Waffen (z.B.Tigerhaken, Schmetterlingsmesser)
Die Wurfwaffen (z.B. Wurfpfeile, Wurfmesser
Außerdem unterscheidet man zwischen direkten Waffen, womit Waffen
bezeichnet werden, die als solche sofort erkannt werden (z.B.
Hellebarde, Säbel, Speer) und indirekten Waffen. Dazu zählen Gegenstände
des täglichen Gebrauchs, die ein Shaolin-Schüler gezielt als Waffe
einsetzen kann, die aber als solche nicht sofort erkannt werden (z.B.
Rechen, Körbe, Schirme oder Hocker). Zu den Einteilungen kann man weiter
unterscheiden:
Reine Kriegswaffen (z.B. Hellebarden, Säbel). Diese Waffen wurden nur
selten von einfachen Bürgern benutzt, da ihre sehr auffällige Form ein
unauffälliges Mitführen unmöglich machte.
Jagdwaffen (z.B. Jagdspeere, Tigergabeln, Pfeil und Bogen). Diese Waffen
wurden in verstärktem Maße in Gegenden zum Einsatz gebracht, in denen
sie zum Alltagsbild gehörten und kein sonderliches Aufsehen erregten.
Waffen bestimmter Berufsgruppen. Hierbei handelt es sich um Waffen, die
von den verschiedenen Berufsgruppen bevorzugt benutzt wurden, z.B. der
Langstock, mit dem die Fischer der Sumpfgebiete im Süden Chinas ihre
Boote voranbrachten; Der Bettelstab, die bevorzugte Waffe der
Shaolin-Mönche; der Fächer, der unter den Beamten als Waffe sehr beliebt
war oder die Flöten und Becken der Musikanten.
Verborgene Waffen (z.B. ein in einem Stock verborgenes Messer oder aber
auch Gifte). Diese Waffen kamen bei allen genannten Gruppen, je nachdem,
welche Interessen und Ziele verfolgt wurden, zum Einsatz
Das Ziel eines umfassenden Waffentrainings ist es nun, den Schüler in
die Lage zu versetzen, jeden Gegenstand, den er in die Hand nimmt, im
Notfall effektiv als Waffe einsetzen zu können.
Anders als in den modernen Wu-Shu-Schulen, in denen oft die
kampfbezogene Technik vernachlässigt wird, ist auch heute noch das
Waffentraining in den traditionellen Kung-Fu-Schulen ein Training, bei
dem die ganze Aufmerksamkeit auf die Effektivität und die Anwendbarkeit
der Technik gelegt wird. Jede Waffe, welchen Typs auch immer, wird im
Shaolin-Kung-Fu als eine Verlängerung des Arms betrachtet und muss mit
absoluter Harmonie zwischen Körper und Geist geführt werden. Um diese
Harmonie zu erlangen, muss sich der Schüler die drei Prinzipien, auf
denen die Waffentechniken stehen, verinnerlichen:
Ting - das geistige Training

Chih - das Parieren eines Angriffs
Pieh - der Gegenangriff
In einen Satz gebracht, heißt das: Im Kampf mit der Waffe einen ruhigen
Geist bewahren (Ting), den Angriff des Gegners vereiteln (Chih) und
selber zuschlagen (Pieh).
Ein Schüler, der eine Waffe führt, muss von Anfang an lernen, dass eine
gute Technik allein nicht ausreicht, sondern dass er seinen Glauben und
sein Vertrauen in die Technik mit einbringen muss.
Sollte dies nicht der Fall sein, und ist der Schüler nur halb bei der
Sache, so stellt er beim Training in der Schule und hier besonders bei
den komplizierten Partnerformen nicht nur für seine Mitschüler, sondern
auch für sich eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Er muss lernen,
seine Waffe in den verschiedenen Ständen zuführen und in den
unterschiedlichsten Techniken zu beherrschen; blockieren, ausweichen,
angreifen und laufen mit der Waffe. Durch das Waffentraining schult er
seine Körperbeherrschung, sein Timing, sein Reaktionsvermögen, seine
Geschmeidigkeit, seine Kondition und vor allem seine Atemtechnik.
Mit der nötigen Konzentration beim Waffentraining hat er die Möglichkeit
(mit speziellen Waffen), die o.g. Fähigkeiten bis zur äußersten
Perfektion auszubilden. So fördern z.B. die flexiblen Waffen das
Reaktionsvermögen, die Doppelwaffen das Timing, die schweren Langwaffen
die Kondition und so akrobatische Waffenformen wie der Affenstock die
Geschmeidigkeit.
Spezialisiert sich ein fortgeschrittener Schüler auf eine oder zwei
Waffen, die ihm am besten liegen, so muss er doch zu Beginn den langen
Weg durch die Basistechniken jeder einzelnen Waffe gehen, denn nur wenn
er über eine gute Grundkenntnis im Umgang mit den verschiedenen Waffen
verfügt, ist es ihm möglich, sich bei der praktischen Anwendung mit
seiner Waffe durchzusetzen.
Die Anwendung der Waffen in der Vergangenheit bis heute mag sich
geändert haben, die geistige Einstellung zum Waffentraining jedoch ist
in den traditionellen Shaolin-Schulen unverändert.
Ein guter Schüler wird seine Waffe immer mit Respekt behandeln und sie
nach dem Training niemals achtlos in die Ecke werfen, sondern sie wie
einen Teil seines eigenen Körpers sorgsam behandeln und gewissenhaft
pflegen.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die alten Waffenformen und die Kunst ihrer
Beherrschung in den wenigen noch existierenden traditionellen
Kung-Fu-Schulen zur Bewahrung der Tradition und als Respektsbezeugung
vor der historischen Bedeutung innerhalb der Shaolin-Schulen auch für
die folgenden Generationen erhalten bleiben.
Quelle - Rene Schärft

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