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Geschichte des Schwertkampfes
Das Streiten der Menschen und der
Umgang bzw. Kampf mit Waffen ist wahrscheinlic Es hat sich sogar zur hohen Kunst entwickelt bzw. stilisiert. Vor allem in Japan gilt der „Weg des Kriegers“ (Bushido) und der „Weg des Schwertes“ (Kendo) gleichsam als Lebensschule und Philosophie. Dem ihm eigenen Sinn und Zweck entrückt, kann er sogar einer friedvollen Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsfindung dienen. Dies natürlich auch, weil die Religion Einzug in die Kriegskünste hielt. Nichts bewegt den Menschen mehr, als die Konfrontation mit dem Tod! Vor allem in einem Kampf auf Leben und Tod. Durch das Kämpfen ist das „Ich“ erfahrbar! Es gab (und teilweise gibt es sie noch immer), bei den meisten Völkern Menschen, die mit der Erforschung, der Überlieferung, dem Lehren und dem Erhalt des alten Wissens betraut waren. Skirma, Scherma und Esgrima
Es gibt unzählige Werke zur Schwertkampfkunst, die sich alle durchgängig mit den Aspekte des „Streitens“ (Kämpfen) mit den unterschiedlichen Waffen befassten. Im Vordergrund stand also die Handhabung der verschiedenen Hieb- und Stichwaffen, Schilde und Langwaffen. Zu meist wurden auch sämtliche Arten des unbewaffneten Nahkampfes wie Ringen, Schlagen und Treten abgehandelt. Hier seien nur zwei Namentlich benannt:
Johannes Herbart von Wirzburg (ca. 1300 über Schwert + Faustschild gilt
als ältestes deutsches Fechtbuch) Ihre Anleitungen enthielten Ratschläge für die Handhabung der Stange in ihren unterschiedlichen Längen, dem Kurzschwert, dem Anderthalb-Händer, dem Biden-Händer und der Helmbarte (siehe Abbildung). Als Übungswaffe war der Dussack (Dusäge) sehr beliebt. Auch der Umgang mit anderen Waffen wie Morgenstern, Schild, Keule, Kriegshammer, Spies usw. wurden unterrichtet. Oftmals enthielten diese Schriftstücke Anweisungen für ein mentales Training, mit für ihre Zeit typischen mystischen Ratschlägen. Auch die Leibesübungen (Gymnastik) und die Ernährung kamen nicht zu kurz. Um das 16. Jahrhundert stand in den Städten im deutschsprachigen Raum, die Schwertkampfkunst, wo die Bürger ihre Freiheit mit der Waffe in der Hand erkämpften, in voller Blüte. Um ihre Städte verteidigen zu können, erhielten sie vom Kaiser das Recht Waffen zu tragen. Dies ging so weit, dass wer auf der Straße nicht zumindest einen Dolch bei sich trug, bestraft wurde. Und so wurde die Schwertkampfkunst zur „Zunft“ mit allen Rechten und Privilegien. Niedergang der SchwertkunstMit Beginn des 17. Jahrhunderts begann der Niedergang der Schwertkunst. Hauptverantwortlich dafür zeichnete sich die Bildung des Militärwesens. Die Schwertzünfte (siehe Abbildung - Fechthaus) wurden aufgelöst und verloren ihre Rechte! Sie wurden nicht mehr wie bisher durch Städte, Stände und/oder Zünfte finanziert. Die s.g. Schirmmeister verdingten sich auf Jahrmärkten als „Klopffechter“. Einige wenige hatten das große Glück, ihre Kenntnisse (in entschärfter Form) als „edle“ Kunst an den Höfen der Fürsten zu unterrichten. Daraus entwickelte sich später das Konventionsfechten, dies ist wiederum der Vorläufer des uns heute bekannten Sportfechtens. Erst durften sich nur Männer „Fechtmeister“ (Schirmmeister) per kaiserlichen Dekret nennen, die den Umgang mit dem Anderthalb-Händer, verschiedenen Schlachtschwerttypen, Stangenwaffen, Dolchkampf und des waffenlosen Nahkampfes beherrschten. Von dem Können der alten Fechtmeister blieb bis heute leider nur recht wenig erhalten. Die Schwertkampfkunst entwickelte sich zum Stoßfechten. Die Benutzung des leichteren spöttisch „italienischer Säbel" genannten für das Schlachtfeld untauglichen Haurapier nahm zu. Er ist der Vorläufer des noch heute benutzten Sportsäbels. Weltweit hatte die Geschichte des Schwertkampfes eine ähnlich hohe Entwicklung. Auch die Kenntnisse über Technik, Körpermechanik, Kampfanatomie, Psyche, Trainingsmethoden für die Führung eines Kampfes, wenn man epochale Verschiebungen außer acht lässt, war ähnlich. Den Kampfmethoden der verschiedenen Kulturen liegen im wesentlichen ähnliche Prinzipien zu Grunde. Leider wurden auf Grund veränderter Technologien, wissenschaftlicher Errungenschaften, gesellschaftlicher Veränderungen und komplexerem Wissen die Jahrtausende alten Traditionen und Erfahrungen im Bereich des Waffenkampfes vergessen. Man übersah die erzieherischen und charakterbildenden Werte der Schwertkampfkunst. Es ist aus der Mode gekommen! Man wirft heute angeblich antiquierte Attribute leichtfertig über Bord! Einige Zeichnungen aus einem alten Fechtbuch
Schwertkampf auf den Philippinen
So wie dies in Europa bereits der Fall war, geht es heute den Filipinos! Zugunsten der „Weiterentwicklung“ und der Gesetze der Ökonomie, nimmt man das Aussterben des alten Kulturgutes in Kauf. Pragmatisch gesehen ist dies eine normale und folgerichtige Entwicklung! Dies aber, ohne dabei zu Bedenken, dass damit unter Umständen verheerenden Auswirkungen für die Gesellschaft durch den Verlust wichtiger Erfahrungen einhergehen. Auf den Philippinen werden Streitigkeiten längst mit der Schusswaffe in der Hand geregelt. Die alten Escrima, Arnis und Kali Meister werden teilweise nur noch belächelt. Ein riesiges Problem stellt auch die Tatsache dar, das die ost-asiatischen Kriegskünste kommerziell ausgeschlachtet werden. So findet man immer mehr Filipinos mit oder ohne fundiertem Wissen, die die Kriegskunst ihrer Vorfahren als Sprungbrett in die Wohlstandsgesellschaft begreifen. Damit geht eine zunehmende Vernebelung des echten, althergebrachten Wissens einher. Es werden bedenkenlos, die überlieferten Konzepte künstlich gestreckt oder zu einer leicht verdaulichen Kost umgearbeitet, wenn es einer Vermarktung irgendwie dienlich ist. Zu keiner Zeit war Krieg und der damit verbundene Umgang mit Waffen romantisch! Waffen sind grausame Vernichtungsinstrumente und dies trifft ebenso auf ein Schwert zu. Heute sind die mittelalterlichen Waffen zu reinen Übungsgeräten avanciert und dienen ausschließlich dem Praktizierenden um uraltes Wissen und in Vergessenheit geratene körperliche und mentale Zusammenhänge wieder zu erfahren. Es ist ein gewaltiger Unterschied, mit einem Schwert oder Dolch herumzuspielen oder dies in einer Konfrontation mit der Konsequenz der möglichen Beendigung des eigenen oder des anderen Lebens zu schwingen. Es sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Erst wenn man beim intensiven trainieren in seinen Empfindungen und Erfahrungen in die Nähe der realen Auseinandersetzung kommt, kann man die mentalen Aspekte des Trainings mit Waffen begreifen. Dies sollte sich auch der Otto-Normal-Verbraucher deutlich vor Augen halten. Für mich ist dies der wichtigste Grund, warum die herkömmlichen, vielerorts angebotenen, teilweise nur auf Kommerz ausgerichteten Selbstverteidigungskurse reiner Unsinn sind. Ein solcher Kurs kann maximal als Einstieg erachtet werden, um etwas neues kennen zu lernen und sich dann für eine richtige Ausbildung zu entscheiden. Schwimmen lernt man nur durch Schwimmen und das nur in Verbindung mit dem Element Wasser! Also, lernt der Mensch kämpfen nur durch den elementaren Trainingsbestandteil – den Kampf. Hier lernt man zwangsläufig, was zu tun ist um in einen Kampf zu bestehen. Man lernt die Ängste, den Stress, die Emotionen und die Art der Schmerzen, die s.g. unumgänglichen Begleiterscheinungen kennen. Man lernt mit diesen Begleiterscheinungen umzugehen und sie zu akzeptieren. Durch das Kampfbezogene Training mit und ohne Waffen und waffenlos gegen Waffen, ändert sich die Einschätzung über das Resultat einer Auseinandersetzungen und die vorher angenommene Effektivität der eingesetzten Techniken vollkommen. Für den wettkampfsportlichen Vergleich sind derartige Kämpfe nicht geeignet und auf Grund der hohen Verletzungsgefahr ist eine gute Schutzausrüstung im Training unabdingbar. Stockkampf bzw. Schwertkampf (phil. Escrima, Kali, Arnis) hat eine lange Geschichte auf den Philippinen, die sowohl indischen, malaiischen, chinesischen, japanischen und über einen langen Zeitraum (leider) auch europäischen Einflüssen unterlag. Die Effizienz der Filipino Martial ArtsDurch die fast vierhundert Jahre die die Philippinen unter spanischer Herrschaft standen, wurden auch die philippinischen Schwertkampftechniken durch die europäischen Fechttechniken stark beeinflusst. Die spanischen Schwertkampfmethoden haben sich dann nach und nach mit den uralten einheimischen Techniken vermischt. Neben der damals in Spanien (aus Italien und Frankreich kommend) üblichen Fechtschule mit Rapier und Linkshanddolch (Espada y Daga - Bild zeigt Guro Dan Inosanto), Techniken mit Schwert und Schild fürs Schlachtfeld und der Handhabung von Anderthalb-Händern und Stangenwaffen, haben die Spanier auch die Bezeichnungen Escrima und Arnis de Mano mit auf die Philippinen gebracht. So kam das germanische Skrima auf die Philippinen. Die Filipinos hatten von jeher selbst verschiedene Schwerttypen, auch Zweihandschwerter, sowie Schilde und Speere im Gebrauch. Regional bedingt gibt es viele unterschiedliche Kampfstile, die innerhalb der Familien weitervererbt werde. Die Effizienz der Filipino Martial Arts beruht nicht zuletzt auf den jahrelangen blutigen Erfahrungen der alten Filipinos, sie setzten die Techniken im Überlebens- und Freiheitskampf ein. So auch im Kampf gegen die Spanier bis zur Jahrhundertwende (1898) und danach gegen die amerikanischen Besatzer, wobei für viele völlig unbekannt an die drei Millionen Filipinos ums Leben kamen. Im Zweiten Weltkrieg dann, als das Inselreich von den Japanern besetzt wurde, die wiederum eine blutige Spur hinterließen. Aber auch bei privaten Streitigkeiten die oft mit Klingen ausgetragen wurden und bei den s.g. „Death Matches“ (Kämpfe mit Duellcharakter), bei denen ohne Gnade bis zur Aufgabe oder dem Tod des Gegners gekämpft wurde. Hier waren Bisswunden und Brüche an der Tagesordnung! Bereits Bruce Lee hatte die Effektivität der Filipino Martial Arts erkannt und wollte sie sogar in seinem letzten Werk demonstrieren. Leider kam er nicht mehr dazu, doch steht ihm die Ehre zu einen Großteil dazu beigetragen zu haben die philippinischen Kampfkünste zu verbreiten. Bis heute erteilt sein Schüler Dan Inosanto (siehe Abbildung - Dan Inosanto mit Krisschwert) nicht nur Jeet Kune Do Unterricht, sondern er lehrt auch die philippinischen Kali Techniken. Jeder Kampfkünstler sollte die Chance ergreifen, wenn sie sich ihm bietet und einen Lehrgang über die philippinischen Kriegskünste besuchen. Dies gilt gleichwohl auch für alle anderen Martial Arts, denn man sollte sich kein Urteil ohne Erfahrung erlauben.
Wir können alle von einander lernen, wenn wir wollen! |