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Interview Kampfsport International
 mit Dan Inosanto



Dan Inosanto bringt immer wieder frische Luft in die Welt der Kampfkünste und trotzdem er schon als ein "Klassiker" gilt, zeichnet er sich besonders und vor allem durch seinen unstillbaren Wissensdurst und seine Bereitschaft immer wieder etwas Neues zu lernen aus. Man hört ihm zu und wenn er etwas zu sagen hat, so treffen seinen Kommentare stets „des Pudels Kern“. Wir baten daher Guro Justo Dieguez, den Leiter der Keysi´s Fighting Method, dass er Dan um einen Interviewtermin bittet. Gesagt getan. Beim Interview wich Dan Inosanto auch unangenehmen Fragen nicht aus – stand Rede und Antwort bezüglich seiner Beziehung zum Nucleus (Jun Fan Jeet Kune Do Nucleus Group). Es ist uns immer ein Vergnügen, Ihnen Dan Inosanto präsentieren zu können.

Kampfkunst International: Entspricht das heutige Jeet Kune Do Ihren Träumen von damals?

Dan Inosanto: Das Jeet Kune Do begann als eine Idee von Bruce Lee, die zum eigentlichen Ziel die freie Selbstentfaltung der Persönlichkeit hat. Die Pfeiler des Jeet Kune Do sind für alle dieselben, doch entwickelt sich jeder einzelne Mensch, gemäß seinen mitgebrachten Voraussetzungen. Das ist das Grundkonzept und diesem Grundkonzept folgen wir - wir haben uns also von der Idee Bruce Lees nicht entfernt.

K.I: Es ist allgemein bekannt, dass Sie sozusagen mit den Kampfkunst aufwuchsen. Wie genau war Ihr Eintritt in die Welt der Kampfkünste?

D.I.: Mein Vater und meine Onkels trainierten alle verschiedene Kampfkünste und ich begann mit Selbstverteidigung und Judo. Was zu Beginn als ein Spiel begann verwandelte sich über die Zeit zu einer Form, mich selbst und die Menschen um mich herum zu verstehen. Heute sind Kampfkünste für mich zu einem Mittel geworden, den Menschen zu helfen und ihnen mein Wissen zu vermitteln.

K.I: Würden Sie uns bitte die momentane Situation des Jeet Kune Do erklären?

D.I: Nun, es scheint so, als herrsche ein wenig Verwirrung und das liegt daran, dass Bruce Lee jeden Menschen eben anders unterrichtete - immer gemäß den jeweiligen persönlichen Voraussetzungen und dem Ziel, welches verfolgt wurde. Es gibt Leute, die er trainierte, die aber nicht seine gesamte Arbeit kennen und nun diese Bestandteile nicht als "original" anerkennen.

K.I: Hat man Ihnen schon einmal vorgeworfen sich vom JKD zu entfernen und wie denken Sie darüber?

D.I.: Was ich dazu sagen kann ist, dass viele, die mich kritisieren nie mit Bruce trainiert haben - in der Mehrheit Schüler von mir. Und diejenigen, die doch mit Bruce Lee trainierten, waren nicht lange genug dabei, um das Gesamtbild beurteilen zu können.

K.I: Wie kommentieren Sie Ihre Nichtdazugehörigkeit zum Nucleus?

D.I.: Am Anfang nahm ich an den ersten Versammlungen teil und arbeitete sogar an den Statuten mit. Das Ziel war es, die Prinzipien Bruce Lees zu bewahren... doch: Wie kann man etwas bewahren, das man im Grunde nicht kennt? Die Mehrzahl der Mitglieder des Nucleus sind Schüler von mir und haben vielleicht ein paar Mal mit Bruce zusammen trainiert. Meine Aufbauarbeit in aller Welt hat mich dann etwas vom Nucleus entfernt und ich konnte nicht mehr regelmäßig an den Versammlungen teilnehmen. Also, beschloss ich, gar nicht mehr teilzunehmen. Doch ist es wichtig, dass die Leute wissen, dass sowohl die einen als auch die anderen einen Teil der Wahrheit besitzen.

K.I: Glauben Sie, dass es das wert war?

D.I: Wenn Sie sich darauf beziehen, dass ich dem Nucleus nicht angehöre, so war das im wesentlichen eine reine Zeitfrage. Was sich allerdings wirklich gelohnt hat, war, dass ich Bruce kennen lernen konnte und er mich unterrichtete und ich wiederum daraufhin mein Leben dem Unterrichten widmen konnte.

K.I: Glauben Sie, dass die Mehrzahl der Mitglieder des Nucleus sich auf dem falschen Weg befinden?

D.I: Sie können sich gar nicht auf dem falschen Weg befinden. Das meiste, das sie wissen, haben sie von mir gelernt. Ich sage meinen Schülern jedenfalls ständig, dass sie auf ihre Seminare gehen und mit ihnen trainieren sollen damit sie sich, selbst ein Urteil bilden können. Niemand ist im Besitz der absoluten Wahrheit!

K.I: Welche guten oder schlechten Augenblicke in Ihrem Leben finden Sie besonders erwähnenswert?

D.I: Die guten Momente teile ich alle mit meinen Lehrern und Meistern und jedes Mal, wenn ich einen neuen Freund gewinne, ist das für mich ein "erwähnenswerter" und guter Augenblick in meinem Leben. Nach dem Tod meiner Eltern und meiner Schwester durchlebte ich eine schwere Zeit - wenn ich auch versuche die schlechten Augenblicke auszublenden und mich nur an die guten Zeiten zu erinnern.

K.I: Ein unerfüllter Wunsch?

D.I: In jedem Land in Europa einen Ausbilder sitzen zu haben.

K.I: Ein Quell der Glückseligkeit?

D.I: Meine Frau und meine Kinder.

K.I: Ein Augenblick tiefster Traurigkeit?

D.I: Der Tod meiner Eltern und meiner Schwester.

K.I: Welches waren Ihre besten Zeiten innerhalb der Kampfkünste?

D.I: Das sie immer besser werden.

K.I: Wen fragen Sie um Rat, wenn es um wichtige Entscheidungen geht?

D.I: Ich meditiere und frage meine Frau um Rat. Manchmal auch einige meiner Freunde.

K.I: Können Sie den Begriff "Wahrheit" definieren?

D.I: Man kann "Wahrheit" nicht definieren, da sie je nach Situation und Person stets eine andere ist bzw. von diesen Faktoren abhängt.

K.I: Haben Sie ein paar Ratschläge für alle Jeet Kune Do-Begeisterten übrig?

D.I: Den Geist stets frei halten, immer bereit sein Neues aufzunehmen und zu wissen, dass es so etwas wie die absolute Wahrheit nicht gibt. Man lernt von allem und jedem, einschließlich von seinen Schülern. Selbstverständlich sollte man auch immer fleißig und mit ganzer Hingabe trainieren.

K.I: Welche Unterschiede bestehen zwischen einem Schüler von Ihnen hier in Ihrer Akademie und einem, der außerhalb der Akademie trainiert?

D.I: Die Unterschiede liegen in der Verschiedenheit der Personen selbst. Es gibt sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Akademie sehr gute Leute.


Quelle - Kampfkunst International 01/01 - Text Esther Marco Martinez