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Okinawa Te und Kobudo
Seit jeher sind die Ryu Kyu Inseln, zu denen auch Okinawa zählt,
aufgrund ihrer Um den Geschichten, die sich im Umlauf befinden und von so manchem selbsternannten Traditionalisten gern vorgeschoben werden, Einhalt zu gebieten und um für Richtigstellung zu sorgen möchte ich an dieser Stelle auf einige Stile etwas näher eingehen. Auch mit dem Tabuthema "Kontakt oder Nonkontakt" sollte endlich aufgeräumt werden - wozu wurden denn letztlich die Kampftechniken gebraucht? Schutzausrüstung zum Kontaktkampf hatte man im übrigen schon sehr früh entwickelt - Bild zeigt Meister Mabuni in Kontaktausrüstung. Okinawa Te und Kobudo wurden von Menschen praktiziert, die nur dieses eine Mittel kannten, um sich gegen den Tod zu verteidigen. Das Ti (Okinawa) wurde erst von den Japanern in Te verwandelt und Karate als Synonym für diese Kriegskunst entstand erst wesentlich später. So gab es auf Okinawa viele Familienstile und selbst diese wurden oftmals nach den Stätten ihrer Entstehung bzw. dort wo sie betrieben wurden benannt, so z.B. Shuri Ti, Tomari Ti (die Stile aus diesen beiden Städten nannte man Shorin Ryu) oder Naha Ti (Shorei-Ryu). Eine Verbindung von chinesischen und Okinawa Stilen spiegelt sich in dem Namen To Ti (Tode), wobei Ti okinawanischen Ursprungs ist und To für Tang (Tang Dynastie) steht. Selbst rein chinesischen Ursprungs zu zu ordnende Stile wie das Ryuei Ryu oder Kojo Ryu gab es auf Okinawa. Das von den chinesischen Stilen beeinflusste To Ti gilt offiziell als der Vorläufer des heutigen Kara Te. Der Begriff „De“ (Ti oder Te) stand im übrigen für Technik und nicht für Hand und wurde erst von den Japanern dahingehend geändert. Mit Tode bezeichnete man also wörtlich die „Technik der Tang“. Der Begriff Kempo oder Kenpo ist das okinawanische Wort für das chinesische Quan Fa oder Chúan Fa und findet sich heute noch häufig auf Okinawa. Auf Okinawa findet man selten Karate Schulen, die meisten Schulen führen die Bezeichnung Okinawa Te, die „Technik aus Okinawa“, um ihre Kunst von den anderen deutlich zu unterscheiden und abzugrenzen. Selbst Funakoshi weißt ausdrücklich in seinen eigenen überlieferten Worten auf viele der o.g. Fakten hin – hier seine Worte – in den Klammern stehen meine eigenen Ergänzungen - "Auf die Insel (Okinawa) in den südlichen Meeren gelangte (sie wurde also gebracht – von Chinesen und anderen?) eine ausgezeichnete Kunst. Sie heißt Karate. Zu meinem großen Bedauern verfiel diese Kunst (sie war also zu seiner Zeit schon nicht mehr authentisch) und ihre Weitergabe ist zweifelhaft. Wer wird die große Aufgabe übernehmen, damit sie wieder aufgebaut wird und überlebt? Diese Aufgabe will ich übernehmen. Wer wird es tun, wenn ich es nicht tue? ... " Bekleidung
Das einführen von Graduierungen war ebenfalls ein sehr später Schritt. Aufgrund der immer größer werdenden Teilnehmerzahlen, mussten die Lehrer umdenken und führten, damit sie den Überblick nicht verloren, Graduierungssysteme ein. Gab es Anfänglich, da die meisten Systeme nur innerhalb der Familie weitergegeben wurden, nur einen Lehrer und einen oder zwei Schüler, so wurden es später ganze Schulen. So lohnte es sich für die Lehrer sich so zu sagen selbständig zu machen und den Lebensunterhalt mit dem erteilen von Unterricht zu bestreiten. Die ersten Graduierungssysteme beschränkten sich auf Schüler, Meisterschüler und Lehrer. Später kamen dann noch Unterteilungen mit bis zu fünf Schülergraden hinzu. Damit sich die Meister von ihren Meisterschülern unterschieden, ihnen aber ein vorwärtskommen weiterhin ermöglichen konnten, führte man mehrere Meistergradstufen ein. Waren es am Anfang noch zwei oder drei Stufen, so sind heute teilweise bis zu zehn Meistergradstufen vorhanden. Manche Systeme verfügen über fünf Schülergrade, aber über zehn Meistergrade. Das hier die Logik fehlt und für einen Laien, dass warum dem so ist, kaum noch nachvollziehbar ist, dürfte auf der Hand liegen. Abgrenzung und das Produkt Karate
Zen Okinawa Karate Do Goju Ryu Goju Kai
Kampftraining im Camp japanischer SoldatenZen Okinawa Shorinjo Ryu Karate Do - von 1937 bis 1943 wurde Joen Nakazato von Chotoku Kiyan unterrichtet. 1944 zog er in den Krieg und fand sich zum Ende des Krieges in Thailand wieder, wo er ein Jahr in englischer Gefangenschaft verbrachte. Während dieser Zeit organisierte er ein Kampftraining indem Camp der japanischen Soldaten. Als er 1947 aus dem Krieg zurückkehrte, ließ er sich in der Präfektur von Kumamoto in Kyushu nieder. 1952 kehrte er schließlich nach Okinawa zurück, wo er ein Dojo gründete. Joen Nakazato führte seinen Stil mit dem Gedanken aus, die Lehren, die ihm von C. Kiyan unterrichtet worden waren, unverändert weiterzugeben und sich an die Herkunft des Karates anzulehnen. Der Begriff Shorinji ist eine phonetische Übertragung des Shaolin Si, dem Namen des Shaolin Tempels, der als die Geburtsstätte zahlreicher bekannter chinesischer Kampfkünste und oft auch des Karate betrachtet wird. Die Gruppe besteht aus drei Hauptdojos. Dojo der Kampfkunst des Geistes
Shorin Ryu Kyudokan Shinkokai - Y. Higa hat sich dem Karate unter der Führung von Jiro Gusukuma verschrieben, der ein Freund seines Vaters war. J. Gusukuma verstarb 1933. In dem darauffolgenden Jahr wurde Y. Higa Schüler von Jinan Niisato. ein Meister der Goju Ryu Schule. Y. Higa arbeitete am Rathaus der Stadt Naha und gründete und leitete im Jahre 1939 den Okinawa Te Verein des Rathauses. Später arbeitete er in der Präfektur, wo er eine Okinawa Te Gruppe organisierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von Coshin Chibana unterrichtet und trainierte das Shuri Ti (Shorin Ryu). 1951 verlieh ihm C. Chibana den Rang eines Meister der Shorin Ryu. Die Gruppe zählt fünf Hauptdojos auf Okinawa, gruppiert nach dem Namen des Kyudokan (Der Dojo, in dem man den Weg sucht). Sekai Shorin Ryu Karate Do Renmei - im Jahre 1924, im Alter von 17 Jahren weihte sich S. Nagamine selbst dem Karate. Ab 1926 erhielt er Unterricht von Ankichi Aragaki im Shuri Ti. 1931 trat er der lokalen Polizei von Okinawa bei und erhielt ab 1933 Unterricht von C. Kiyan. 1936 ging er nach Tokyo, wo er bei der Polizeipräfektur studierte. In Tokyo lernte er Choki Motobu kennen und wurde von ihm vor allem in den Kampftechniken unterrichtet. Er lernte auch die älteren Anhänger kennen, die aus Okinawa stammten. so z.B. Kentsu Yabu und Chomo Hanashiro. Alle seine Vorbilder sagten ihm, dass die in Tokyo praktizierten Katas deformiert seien und dass es galt die Tradition von Okinawa korrekt beizubehalten. Ein Jahr später ging er nach Okinawa und eröffnete einen Dop in Tomari. Im Jahre 1940 nahm er, auf Anforderung von C. Miyagi, am Festival der Kampfkünste von Butokukai in Kyoto teil. Am Ende des Krieges war er amerikanischer Kriegsgefangener. 1947 begann er mit dem Karate-Unterricht in Naha:1951 verließ er die Polizei und stellte seine gesamte Zeit in den Dienst des Karate-Unterrichts. Die Gruppe umfasst heute drei Hauptdojos auf Okinawa, ca. 30 Dojos in Hondo und zahlreiche Gruppen in anderen Ländern. Verschiedene Karatestile
Chubu Shorin Ryu Karate Do Kyokai - Katsuhide Kochi, geboren am 14. September 1930 ist der dritte Sohn von Katsumori Kochi, Anhänger des Tomari Ti und Shuri Ti, das heute viele chinesische Anhänger hat, was ihm die Entwicklung einer besonderen Form des Trainings ermöglichte. Im Alter von 10 Jahren begann er mit dem Unterricht bei seinem Vater. Zu Beginn der 50er Jahre erhielt er Unterricht von Zenryuo Shimabukuro. 1955 gründete er das Seibukan Dojo und begann, selbst zu unterrichten. Die Gruppe zählt heute fünf Dojos. Ryuku Kobudo Hozon Shinkokai - Eiko Akamine, geboren am 01. Mai 1925. Seit 1948 praktizierte er die Kunst des Baton, Yamane Ryu Bojutsu unter der Anleitung von Seiichiro Higa. Ab 1959 studierte er das Kobudo unter der Führung von Shinken Taira und erhielt im Jahre 1965 die Qualifikation eines Meisters von dieser Schule. Im Jahre 1971 gründete er das Dojo Shinbukan, in dem er Ryukyu Kobudo unterrichtet. Die Gruppe umfasst sechs Hauptdojos auf Okinawa. Okinawa Shorin Ryu Karate Do Kyokai - Hauptmeister: Katsuya Miyahira, gelb. am 16. August 1917. K. Miyahira erhielt ab 1933 Unterricht von Shoshin Chibana und im Jahre 1948 von ihm seine Meisterqualifikation. 1935 forderte sein Meister Choshin Chibana ihn auf zu Choki Motobu zu kommen, wo er in den Kampftechniken unterwiesen wurde. Meister Motobu war zu jener Zeit 67 Jahre alt. Im Jahre 1969 wurde er Präsident der Assoziation des Karate Do Shorin Ryu von Okinawa. 1933 schließlich nannte Choshin Chibana seine Schule Shorin Ryu. K. Miyahira setzte dies fort und hat heute 12 Hauptdojos auf Okinawa. Okinawa Goju Ryu Karate Do Kyokai - Hauptmeister: Eiichi Miyasato, geb. am 15. Juli 1921. Im Jahre 1936, im Alter von 13 Jahren, begann er mit dem Karate unter der Führung von Chojun Miyagi. Am 8. Oktober 1953 starb C. Miyagi und E. Miyasato unterrichtete in dem Dojo seines verstorbenen Lehrers. Noch im gleichen Jahr wurde er Professor der Polizeischule von Okinawa, wo er Karate und Judo unterrichtete. Im Jahre 1971 verließ er die Schule und gründete im Jahre 1972 die Okinawische Assoziation des Goju Ryu Karate Do und wurde deren Präsident. Die Gruppe umfasst 9 Hauptdojos auf Okinawa und Hondo. Zen Okinawa Karate Kobudo Rengokai - Hauptmeister: Seitoku Higa, geb. am 20. Januar 1920. 1931, im Alter von 11 Jahren, wurde er Schüler von Meister Kijun Kishimoto und schließlich im Jahre 1932 Schüler des alten Meisters Soko Kishimoto. Ab 1937, im Alter von 17 Jahren, begann er, Anfänger im Dojo zu unterrichten. 1943 erhielt er von Meister S. Kishimoto die Qualifikation eines Meisters. 1944 bekam er von Kanken Toyama in Tokyo darüber hinaus das Meisterdiplom. Während der Mobilisierung Japans wurde er auf die Insel Sumatra gesandt, wo er zwei Jahre blieb. 1948 eröffnete er ein Karate Dojo in Kumamoto in Kyushu. Er wurde zu dieser Zeit gleichzeitig von Meister Chito unterrichtet und erlernte die Sesan Kata. 1950 erhielt er Unterricht von C. Chibana und erlernte die Passai Sho Kata. 1951 baute er sein heutiges Dojo in Okinawa auf und führte eine Recherche zur Überlieferung des Karates durch. 1956, im Alter von 36 Jahren, wurde er Schüler von Masami Chinen in der Kunst des Baton von Yamane Ryu und erhielt im Jahre 1960 das Abschlussdiplom dieser Schule.1961 wurde er Schüler von Meister Seikichi Uehara, um die geheime Kunst des Motobu Ryu zu erlernen. 1962 lernte er die Kata Gojusjijo bei Chozo Nakama. 1967 wurde Meister Higa Präsident der Zen Okinawa Karate Kobudo Rengokai (Föderation Okinawas des Karate-Kobudo), 1972 Präsident der Assoziation Motobu Ryu Kobujutsu (Motobu Ryu Kobujutsu Kyokai). Die Föderation Okinawas des Karate Kobudo gliedert sich in 11 Assoziationen, wovon wieder jede in verschiedene Dojos und Gruppen unterteilt ist. Kokusai Karate Kobudo Renmei - Hauptmeister: Asamutsu Takamine, geb, am 14. März 1908. Diese Föderation wurde von Seko Higa (geb. 1898) gegründet. Er wurde ab dem Jahre 1913 von Kanryo Higaonna unterrichtet; nach dessen Tod von Chojun Miyagi, dem Gründer des Goju Ryu. Von 1918 bis 1931 war S. Higa Mitglied der Präfekturpolizei in Okinawa. Von 1931 bis 1944 unterrichtete er das Goju Ryu Karate Do in der Stadt Naha. Ab 1947 nahm er seinen Karate Unterricht wieder auf und wurde im Jahre 1960 Präsident der Föderation Okinawas des Karate Do. Im Oktober des selben Jahres konstituierten die Schüler Seko Higas die Internationale Föderation für Karate und Kobudo, und S. Higa wurde Präsident. S. Higa verstarb am 16. April 1966; sein Schüler A. Takamine folgte ihm und wurde Präsident dieser Föderation. Asamutsu Takamine wurde von Seko Higa ab dem Jahre 1927 bis zu dessen Tod unterrichtet. Diese Föderation umfasst 23 Hauptdojos auf Okinawa und Hondo. Okinawa Karate Do Shorin Ryu Shorin Kan Kyokai - Hauptmeister: Shugoro Nakazato, geb. am. 14. August 1919. Von 1935 bis 1940 trainierte Shugoro Nakazato bei Seiichi lijuin in Osaka. Parallel dazu studierte er bis 1940 das Kobudo. Im Jahre 1946 wurde er Schüler von Choshin Chibana in Okinawa. 1954 erhielt er von C. Chibana die Meisterqualifikation und unterrichtete als Assistent in dessen Dojo.1955 öffnete er sein eigenes Dojo unter der Schirmherrschaft von C. Chibana. Diese Gruppe zählt heute 16 Hauptdojos auf Okinawa und Hondo. Zen Okinawa Kobudo Renmei - Hauptmeister: Shinpo Matayoshi, geb. am 16. Januar 1921. 1930, im Alter von 8 Jahren, begann S. Matayoshi mit dem Karate unter der Führung von C. Kiyan. Ab 1934 studierte er Kobudo unter der Leitung seines Vaters Shinko Matayoshi (geb. 1888). Von 1945 bis 1960 unterrichtete er Kobudo in der Stadt Kawasaki, Präfektur von Kanagawa in Hondo. 1960 ging er nach Okinawa und unterrichtete dort hauptsächlich Kobudo.1970 gründete er die Kobudo Föderation Okinawas, deren Präsident er wurde. Diese Föderation zählt 11 Hauptdojos auf Okinawa und vier Hauptdojos in Hondo. Isshin Ryu Kokusai Karate Do Renmei - Hauptmeister: Kichiro Shimabukuro, geb. am 15. Februar 1938. Die Gruppe des Isshin Ryu Karate Do wurde von Tatsuo Shimabukuro (geb. 1905) gegründet. Im Alter von 13 Jahren studierte er Karate Goju Ryu unter der Leitung von Chojun Miyagi und später Shorin Ryu unter Chotoku Kiyan. Aus diesem Grunde enthielt das Isshin Ryu zwei Grundelemente: das Goju Ryu und das Shorin Ryu. Diese Situation ist jener des Shito Ryu sehr ähnlich. K. Shimabukuro folgte seinem Vater und übernahm die Rolle des Präsidenten der Isshin Ryu Karate Do. Die internationale Föderation des Karate Do lsshin Ryu unterteilt sich in 10 Hauptdojos auf Okinawa und Hondo. Shito Ryu Kenpo Karate Do Kai - Hauptmeister: Kanei Uechi, geb. am 3. Februar 1904 (nicht zu verwechseln mit Kanei Uechi aus der Uechi Ryu). Er studierte von seiner Kindheit an Karate bei seinem Großvater und seinem Onkel. 1922 ging er nach Osaka und wurde 1926 Schüler von Kenwa Mabuni. Bis 1937 unterrichtete er in Osaka Karate und kehrte 1950 nach Okinawa zurück, um dort den Dojo des Shito Ryu zu eröffnen. Motobu Ryu Kobujutsu Kyokai - Hauptmeister: Seikichi Uehara, geb. am 14. März 1904. 1916, im Alter von 13 Jahren, begann er unter der Leitung von Choyu Motobu das Karate. Die Familie Motobu gehörte zum Adel Okinawas und der angenommene Sohn erhielt den Namen „Ajime", was in der Sprache Okinawas soviel bedeutet wie „Der angenommene Sohn des Motobu Aji". „Aji" heißt soviel wie Herr. Der angenommene Sohn durfte nur alleine die Kampftechniken erlernen, die sich Udon Te nannten und die heimlich aus dem königlichen Palast übertragen wurden. Choyu Motobu gehörte zur 11. Generation, die diese Lehre erhielten. Im 20. Jahrhundert, mit dem Umsturz des Sozialsystems in Okinawa, wurde diese Form der Überlieferung unterbrochen und so gab er seine Kunst an seine Söhne Chomo Motobu und Seikichi Uehara weiter. Die Gesamtheit dieser Techniken wurde an letzten übergeben. Ab 1947 nannte S. Uehara seine Kunst Motobu Ryu und erinnerte damit an seinen Meister. 1969 gründete er die Assoziation des Kobujutsu und Motobu Ryu, deren Präsident er wurde. Diese Assoziation zählt 8 Hauptdojos auf Okinawa. Kidokai Kojo Ryu - Hauptmeister: Kafu Kojo, geb. am 13. Feb. 1909. Kafu Kojo ist der 6. Nachfolger der Kojo Ryu. Er erhielt Unterricht von seinem Großvater Kaho Kojo und seinem Vater Saikyo Kojo. Die Kunst der Familie Kojo ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt, aber man nannte sie nicht Kojo Ryu. Dieser Name wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegt, in der Atmosphäre der Modernisierung des Karate auf Okinawa. Diese Schule wurde heimlich im Familienkreis der Kojos bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weitergegeben. Ihr Nachfolger ist unter dem chinesischen Namen Cai Cangwei (1816-1906) bekannt. In der Familienchronik findet man nur seinen chinesischen Namen. Er wuchs in der Stadt Kume auf und war ein renommierter Schüler des Jo und des Bo. Der dritte Meister ist Isei Kojo (1832-1891). Im Alter von 16 Jahren ging er mit seinem Vater Cai Cangwei nach China und studierte vor allem den Konfuzianismus und die chinesischen Kampfkünste. Er erlernte die Kunst des Kampfes mit bloßen Händen unter der Anleitung von Meister Iwa, von dem auch Sokon Matsumura seinen Unterricht erhielt. Er kehrte 1868 im Alter von 36 Jahren, nach Okinawa zurück. Kaho Kojo (18491925) wurde sein Nachfolger. Auf Anraten Iwas ging er nach Fuzhou in China, um die Kampfkunst zu studieren. Er ist der erste Okinawese, der in China ein Dojo eröffnete. Kanei Uechi trat dem Dojo direkt zu Beginn seines Aufenthaltes in Fuzhou bei. Da er nach Okinawa heimkehrte, wurde Kaho Kojo als der Meister des Okinawa Sumo bekannt. Er entwickelte die Kunst des Jo, die mittlerweile in den Namen Kojo Ryu Jo Jutsu umgewandelt wurde. Saikyo Kojo (18731941), Anhänger des Karate Jutsu, Jo Jutsu und Ju Jutsu, trat sein Erbe an. Kafu Kojo (geb. 1909) führt schließlich diese Schule, die zwei Hauptdojos zählt, eins auf Okinawa und eins in Hondo. Kushin Ryu Karate Do Kenkyukai - Hauptmeister: Shintaro Yoshizato, geb. am 20. Juni 1913. Kanamori Kinjo, Schüler des Choshin Chibana, gründete das Kushin Ryu Karate Do, indem er die Kunst des Ju Jutsu und des Karate miteinander verband. 1937 lernte K. Kinjo in Okinawa Sannosuke Kamishima kennen, Meister des Ju Jutsu der Kinshin Ryu. Die zwei Anhänger schätzten sich gegenseitig und tauschten ihre Techniken aus. K. Kinjo führte also aus seinem Karate verschiedene Techniken vor. Um seiner Schule einen Namen zu geben, fügte K. Kinjo die beiden Begriffe „ku" (aus dem Karate - kara spricht sich auch "ku" aus) und „shin" zusammen, was soviel wie „wahr" aus dem Namen Kinshin Ryu bedeutet. In dieser Schule praktizierte man in den 30er Jahren den freien Kampf mit und ohne Schutzpanzer. Shintaro Yoshizato begann im Alter von 10 Jahren, im Jahre 1923 unter der Leitung von Meister Yara de Tomari, mit dem Karatetraining. 1935 lebte er in Osaka, wo er unter Leitung von Meister K. Kinjo Karate studierte. 1960 - mit der Erlaubnis seines Meisters ausgestattet - trat er dessen Nachfolge als Kopf des Kushin Ryu Karate Do an. Das Hauptdojo befindet sich auf Okinawa Ishimine Ryu Karate Do Hozonkai - Hauptmeister: Shinei Kaneshima, geb. am 20. September 1900. Shinei Kaneshima begann im Alter von sieben Jahren bei seinem Vater mit dem Karate Training. Sein Vater war ein Schüler von Meister Ishimine. Im Alter von 19 Jahren führten Shinei seine Studien nach Tokyo, wo er häufig die Dojos von G. Funakoshi und C. Motobu besuchte. 1936 kehrte er nach Okinawa zurück und arbeitete an der Entwicklung des Karate. Als er seine Schule gründete gab er dieser den Namen des berühmten Meisters, unter dessen Führung sein Vater das Karate erlernt hatte. Diese Schule ist zwar nicht so bekannt, vermittelt aber sehr besondere Techniken. Shorin Ryu Matsumura Seito Okinawa Kobudo Kyokai - Hautmeister: Hohan Soken, geb. am 25. Mai 1891. 1904, im Alter von 13 Jahren wurde Soken Schüler eines Meisters namens Nabitanme (die Schreibweise dieses Namens ist nicht genau bekannt), der auch Matsumura unterrichtete. Dort erhielt er Unterricht bis zum Beginn des Jahres 1920. Dieser Meister Nabitanme konnte ihn jedoch nicht im Kobudo unterrichten und so lernte H. Soken dies unter der Leitung von Ushitanme. Er unterrichtete mit dem klassischen Gedanken, sein ganzes Wissen an seine Schüler in einer intimen und umfassenden Weise weiterzugeben. Außerhalb seines Dojos wurde seine Kunst in dem Dojo seines Schülers Fusei Kise (geb. am 4. Mai 1935) unterrichtet. Ryuei Ryu Karate Do Kobudo Hozonkai - Hauptmeister: Noritaka Nakauma, geb. am 23. Dezember 1911. Er folgt der Lehre seines Vaters Noritada Nakaima, um dessen Nachfolge in der Leitung seiner Ryuei Ryu anzutreten. 1948 erhielt er seine Qualifikation als Meister und der allgemeinen Lehre. In der normalen Schule in Okinawa beschäftigte er sich mit dem Kendo, das er parallel zum Karate weiterführte. Er studierte darüber hinaus Karate unter der Leitung von C. Oshiro (heute Itosu) und K. Yabu (heute Matsumura). Die Ryuei Ryu wurde von Norisato Nakaima gegründet, dem Großvater von Noritaka Nakaima. Norisatu, Sprössling einer hochgeachteten Familie der Stadt Kume, erhielt die Privilligiertenausbildung der chinesischen Emigranten in dieser Stadt und ging im Alter von 19 Jahren nach Fuzhou, um dort seine Studien fortzusetzen. Eingeführt durch einen Offizier der chinesischen Delegation, fand er sich an der Tür des Meisters Liu Long wieder und wurde dessen Zögling. Im Alter von 25 Jahren erhielt er von seinem Meister verschiedene Dokumente und Genehmigungen, die Kunst seiner Schule zu unterrichten. Später kehrte er - nach einer Reise durch die verschiedenen Regionen Chinas - nach Okinawa zurück. Bei seiner Rückkehr nach Okinawa gründete Norisato Nakaima eine Schule, in der er die Lehre seines Meisters Liu Long weitergab. Aus Respekt vor seinem Meister nannte er es Ryuei Ryu. Seit der Gründung wird der Unterricht in dieser Schule und seine Weitergabe im Geheimen betrieben. Noritaka Nakauma (4. Nachfolger) entschied im Alter von 60 Jahren, die Türen seiner Schule zu öffnen und einige Schüler anzunehmen. Aus diesem Grund ist diese Schule auch nur wenig bekannt. Die Lehre dieser Ryuei Ryu basiert auf den Kampftechniken mit bloßen Händen, äquivalent dem Karate, den Kampftechniken mit chinesischen Waffen, einer Methode des Wohlgefühls und der Energie, einer mentalen Methode und Katas. Die Assoziation zählt drei Hauptdojos. Ryukyu Shorin Ryu Karate Do Kyokai - Hauptmeister: Morihito Inamine, geb. am 2. Januar 1937. Von 1951 bis 1957 studiert Inamine unter der Leitung von Takaaki Tsunami Karate und setzte dies von 1958 bis 1965 unter der Leitung von Eizo Shimabukuro fort. Von 1966 bis 1971 studierte er das Kobudo unter M. Irei. Morihito Inamine schrieb dazu einmal: „Zu Beginn nannte unsere Gruppe sich einfach Shorin Ryu. Aber mit der Zeit und auch aufgrund des Wachstums des Karate in Japan und im Ausland musste man die Entwicklung der Techniken würdigen. In dieser Situation dachten wir, dass die ursprüngliche Qualität des Karate sich nur durch die ursprüngliche Herkunft übertragen ließe. Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir die Benennung Ryukyu hinzugefügt, die die Ursprungskultur von Okinawa zu jener des Shorin Ryu symbolisiert... In diesem Sinne haben wir 1977 die Assoziation des Karate Do des Ryukyu Shorin Ryu gegründet". Diese Assoziation umfasst 5 Hauptdojos auf Okinawa. Karate Jutsu - Hauptmeister: Gichin Funakoshi, geb. 1968. Der von Okinawa stammende Funakoshi, der die Anerkennung der von ihm praktizierten Karatemethode durch die staatlich geförderten Organisationen Japans erreichen wollte, nahm an, dass er das Schriftzeichen "China Kampftechnik" in "Leere Hand Methode" ändern könnte, da einige Ideogramme gleich ausgesprochen werden konnten. Dies war nach der politischen Situation innerhalb Japans dringend erforderlich. Durch seinen einseitigen und überspitzten Patriotismus trug die Umbenennung wesentlich dazu bei, dass man heute fälschlicherweise annimmt, Karate sei eine waffenlose (Bild rechts zeigt Funakoshi beim Bo Training) und vor allem rein japanische Kampfmethode in der Tradition des einstigen Kriegsadels, den Bushi. Seine von ihm kreierte Methode beinhaltete Faust-, Fuß-, Würge-, Wurf- und Hebeltechniken, daher nannte er sie Karate Jutsu. Giching Funakoshi, der ursprünglich auf Okinawa lebte, war von Beruf Lehrer und als solcher aktiv im Schul- und Bildungswesen der damaligen zeit integriert. Er verließ im Jahre 1917 Okinawa um nach Japan zu gehen, er wollte dort seine Methode bekannt machen. Funakoshi demonstrierte im Butokuden, dem Trainingszentrum des Butokukai (offizielle Akademie der Kriegskünste in Japan) seine Interpretation vor japanischen Großmeistern der Kriegskünste. Diese Vorführung bestand hauptsächlich aus Kata und er schaffte es nicht die anwesenden Zuschauer zu überzeugen. 1922 startete er einen erneuten Versuch und demonstrierte seine Kampfkunst im Rahmen eines Sportfestes in Tokio. Diesmal waren keine hochrangigen Vertreter anwesend und seine Vorführung fand bei den Zuschauern anklang. So entschloss Funakoshi sich in Japan zu bleiben. Er wurde maßgeblich von dem Jujitsu Meister Jigoro Kano bei seinem Unterfangen unterstützt, auch daran merkt man, dass die heute stattfindende Abgrenzung seinerzeit nicht erfolgte. Prof. Funakoshi veröffentlichte ein Buch über Karate Jutsu in dem er sowohl die Selbstverteidigung mit allen ihren Komponenten (Würfe, Hebel, Tritte, Schläge und Würgetechniken), als auch Abhärtungstraining und die Trainings-"Form" der Kata vorstellte. Es wurde nach einem Feuer 1923 (es wurde durch ein großes Erdbeben verursacht), bei dem die Originalunterlagen in Flammen aufgingen, im Jahr 1925 neu unter dem Titel "Rentan Goshin Karate Jutsu" aufgelegt. Das Shotokan wurde entgegen vieler Stimmen nicht von Funakoshi begründet und ist meilenweit von der Konzeption Funakoshi entfernt. Wado Ryu - Hauptmeister: Hiroki Otsuka, geb. 1892. Er begann bereits mit sechs Jahren mit dem Jujitsu Training. Er trainierte unter Meister Nakayama Yoshin Ryu und lernte später vom Karate Jutsu Begründer Gichin Funakoshi. 1934 trennte Otsuka sich von Funakoshi und machte sich mit seiner eigenen Karate Interpretation - dem Wado Ryu - selbständig. Er war Mitbegründer der im Jahr 1952 geschaffenen International Martial Arts Federation und erhielt im Jahr 1966 vom japanischen Kaiser Hirohito die Auszeichnung - Kunggato - womit seine Verdienste um die Vereinigung des Karate gewürdigt wurden. Seido Karate - Hauptmeister: Tadashi Nakamura, geb. 22.02.1942 auf Kafuto. Bereits sehr früh kam Nakamura mit dem Wado Ryu und Goju Ryu über seine beiden älteren Brüder in Kontakt, beide waren Meister in dem jeweiligen Stil. 1953 begann er mit dem Kyokushinkai Training bei Masutatsu Oyama. 1962 wurde er u.a. Muay Thai Champion. 1976 kam es zum offiziellen Bruch mit seinem Lehrer Oyama und Nakamura entschied sich dafür seine eigene Interpretation auf den Markt zu bringen. Shotokan - Hauptmeister: Masatoshi Nakayama, geb. 1913. Da Gichin Funakoshi keine Abweichungen von seinem Grundkonzept duldete, entstand in den frühen fünfziger Jahren zunehmend eine starke Opposition in den Reihen seiner jungen Lehrer und Studenten, die 1949 in der Gründung der von Masatoshi Nakayama initiierten Japan Karate Association (Nippon Karate Kyokai) mündete. Gründungsmitglieder waren Masatoshi Nakayama, Minoru Miyata, Isao Obata und Masatomo Takagi. Minoru Miyata war in den Jahren 1938 - 1945 ein direkter Schüler von Yoshitaka Funakoshi und Genshin Hironishi. Er unterrichtete mit Harunosuke Yutaka Fukui den Karateclub Takudai an der Takushoku Universität in Tokyo und war der Sempai von Nakayama. Isao Obata (1904 - 1976) widmete sich seit 1923 dem Studium des Shorin Ryu unter Gichin Funakoshi. Später gehörte er zur Gruppe um Yoshitaka Funakoshi und vertrat seit 1939 dessen Methode des Shotokai an der Keio Universität. Er war der Mitinitiator der All Japan Student Karate Federation (Zen Nihon Gakusei Karate Do Renmei) und einer der ersten Repräsentanten der 1952 geschaffenen International Martial Arts Federation. Mit der Gründung der JKA wurde die Wettkampfform Jiyu Kumite eingeführt. 1955 verließ Obata die JKA aufgrund ihrer immer kommerzielleren Ausrichtung. Masatomo Takagi gehörte ebenfalls zu den direkten Schülern von Gichin Funakoshi. Shito Ryu - Hauptmeister: Kenwa Mabuni (1889 - 1952). Dieser Stil gelangte 1929 von Okinawa nach Japan. Von dort verbreitete sich dieser tempoorientierte Stil, der Elemente sowohl aus dem klassischen Okinawa Shorin Ryu als auch dem Goju Ryu aufweist, schnell in West Japan aus und avancierte zu einer der sechs größten Stile des Landes. Wie bei allen ursprünglich aus Okinawa stammenden Systemen gehört auch hier die Einbeziehung des Kobudo zur kämpferischen Ausbildung. Sankukai / Nanbu Do - Hauptmeister: Yoshinao Nanbu, geb. 1943. Aus dem Shito Ryu entstand 1970 das von Yoshinao Nanbu kreierte Sankukai oder auch Nanbu Do. In dieser Methode sind die mechanischen Bewegungen weitgehend aufgehoben. Angriff und Konter, rasch aufeinanderfolgend, finden in einem natürlichen Rhythmus, fließender als in anderen Stilrichtungen statt. Kyokushinkai: - Hauptmeister: Masutatsu Oyama (1923 - 1994) in der Nähe von Seoul (Süd Korea). Mit neun Jahren begann er Judo zu erlernen. Im Alter von 12 Jahren kam er nach Japan, wo er die Universität besuchte. Nach dem Abschluss seines Judo Studiums wurde er ein Karate Schüler von Gichin Funakoshi. 1947 gewann er die "All Japan Karate Championchips". Nachdem er sich entschlossen hatte, den Rest seines Lebens der Lehre des Karate zu widmen, verbrachte er die nächsten Jahre abseits der menschlichen Gesellschaft. Er lebte in Klöstern und in den Bergen, er meditierte in dieser Zeit, Erleuchtung suchend. Lt. seinen eigenen Aussagen kämpfte er in dieser Zeit gegen wilde Tiere, zerschmetterte Bäume und Steine mit bloßen Händen und meditierte unter eisigen Wasserfällen. 1951 kehrt er in die Zivilisation zurück und eröffnete seine ersten Trainingsräume. Seine Aktionen bei denen er einen ausgewachsenen Bullen mit den Fäusten tötet fanden nicht überall Zustimmung und viele Stimmen wurden laut, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen könne. Shindo Jinen Ryu Karate Jutsu - Hauptmeister: Yasuhiro Konishi, geb. 1893 in Takamatsu. Er war einer der wenigen, der sowohl von Choki Motobu, Gichin Funakoshi, Kenwa Mabuni und Chojun Miyagi unterrichtet wurde. Ab seinem sechsten Lebensjahr lernte er Jujitsu der Muso Ryu. Im Gymnasium trainierte er dann Takeuchi Ryu Jujitsu. 1923 eröffnete er sein Dojo, dass Ryobukan und unterrichtete Kendo und Jujitsu. Im September 1924 kamen Hiroki Otsuka, der Begründer des Wado Ryu und Gichin Funakoshi, der Begründer des Karate Jutsu, zu Konishi in das Kendo Dojo an der Keio Universität. Sie fragten ihn, ob es möglich wäre, das Dojo für das Ryu Kyu Kempo Tote Jutsu zu benutzen. In weniger als einem Monat wurde der Tote Club an der Kaio Uni gegründet. Yasuhiro Konishi war es im übrigen auch, der den Antrag auf Anerkennung des Karate beim Dai Nippon Butoku Kai stellte. Das Dai Nippon Butoku Kai verlangte seinerzeit, dass alle Lehrer ihrem Stil einen Namen geben müssten. Auf Empfehlung von Morihei Ueshiba, zu dieser Zeit trainierte er noch das Daito Ryu Aikijujitsu, erst wesentlich später begründete er das Aikido, nannte Konishi seinen Stil Shindo Jinen Ryu Karate Jutsu. Erst im Jahre 1905 wurde diese Kriegskunst an den Hauptschulen der Insel Okinawa eingeführt. Und im Jahre 1936 entschieden sich die Meister von Okinawa, die Terminologie „Karate" einzuführen. Noch heute besitzt die Hauptinsel Okinawa, die 120 km lang und 30 km breit ist, nicht weniger als 200 Dojos, die rund 24 verschiedenen Schulen entstammen. Seit der Einführung des Karate in Japan im Jahre 1922 hat es sich langsam, Stück für Stück verändert. Von der Kriegskunst hat es sich zu einem Sport, vor allem auf Wettkampfebene, entwickelt. Auf Okinawa lehrt man jedoch heute immer noch die traditionelle Form des Karate, so wie sie die Meister Funakoshi, Mabuni und Miyagi, die Väter des modernen Karate, entwickelt haben. Doch die Entwicklung des Karate begann nicht mit diesen großen Meistern, sondern nahm seinen Anfang schon viele Jahrhunderte früher. Seit dem Jahre 1372 wurde der König der RyuKyu Inseln durch den Kaiser von China bestimmt. Und so begab sich zu jedem Thronwechsel ein chinesischer Gesandter auf die Reise nach den Ryu Kyu Inseln. Die Einwohner der Inseln nannten den Gesandten „Ukanshin" (das Boot der Krone). Von 1372 bis 1866 wiederholte sich dieses Ereignis 23 mal. Die chinesische Delegation, die aus rund 500 Personen bestand, setzte sich aus Zivilpersonen und Militärfunktionären zusammen, die zwischen drei und zehn Monaten auf der Insel blieben. Dies stellte eine enorme finanzielle Belastung für die Einheimischen dar, so dass manchmal der Tod eines Königs verschwiegen wurde, um diese Ausgaben etwas hinauszuzögern. Man kann aber davon ausgehen, dass diese chinesische Delegation eine enorme Rolle bei der Überlieferung der Kampfkunst gespielt hat. Im Jahre 1392 ließ sich eine Gruppe Chinesen in der Stadt Kume in der Region von Naha (Name der wichtigsten Stadt auf der Insel) nieder. Man nannte diese Gruppe die „36 Familien", aber es ist nicht sichergestellt, dass die Zahl mit der tatsächlichen übereinstimmt. Diese Familien blieben dem Glauben des Konfuzius und dem Taoismus treu. Sie profitierten von zahlreichen Privilegien und spielten eine wichtige Rolle bei der Verbindung zwischen China und Okinawa. Sie waren mit der Veröffentlichung offizieller Schreiben und Erlassen beauftragt und waren u.a. bei dem Prozess der Zentralisierung der Verwaltung maßgeblich beteiligt. Aller Wahrscheinlichkeit nach praktizierten die Einwohner der Stadt Kume eine Kampfkunst. Diese Kunst der Chinesen war gleichzeitig eine Manifestation ihrer Privilegien und unterstützte sowohl ihre Autorität als auch ihre Verteidigungskapazität. Im Jahre 1429 vereinigte König Sho Hashi das Land und verbot den Besitz aller Waffen. Der Ruf der bereits als eine Goldinsel bekannten Insel, auf der ein reger Handel und Tausch stattfand, zog immer weitere Kreise: China, aber auch Malaysien, Indonesien, Thailand und Korea suchten den Kontakt. Der daraus resultierende Einfluss anderer Kampfkünste trug auch zu einer Verbesserung der Kampfkunst Okinawas bei. Im Jahre 1606 riss der japanische Satsuma Klan die Herrschaft über die Ryu Kyu Inseln an sich. Die Anhänger des chinesischen Kenpos und des okinawesischen Toti entschieden daher, sich von nun an nur noch im Geheimen zu treffen. Ihre Allianz brachte das Ti, die Kriegskunst von Okinawa, hervor. Zu jener Zeit erreichte das Ti seinen höchsten Stand in bezug auf die Effektivität: Das Training fand nachts statt und in allergrößter Heimlichkeit. Man arbeitete an der Abhärtung der natürlichen Waffe, dem Körper, um einen bewaffneten Samurai mit bloßen Händen töten zu können. Die Entwicklung des Kobujutsu, d.h. die Benutzung von landwirtschaftlichen und der Fischerei dienlichen Geräten als Waffe, datiert ebenfalls aus dieser Zeit. Die Weitergabe vom Meister zum Schüler fand natürlich mündlich statt, wodurch sich das Fehlen von schriftlichen Dokumenten aus jener Zeit erklärt. Die Geschichte hat jedoch zwei Namen behalten. Der erste ist der Name des chinesischen Experten Kunsanku, der im Jahre 1761 eine Demonstration in Okinawa vorführte. Aus dieser Zeit datiert die Kreation der Kata Kusanku (oder Kanku im japanischen). Der zweite Name ist jener von Meister Sakugawa. Wahrscheinlich geboren im Jahre 1782 in Shuri, wurde er Schüler des Kusanku und eines Mönches namens Peichin Takahara. Nach dem Tod der beiden Männer begann Sakugawa damit, seine Kunst zu unterrichten und wurde unter dem Namen Toti Sakugawa bekannt. Er starb im Jahre 1865 (?). Alle bekannten Stammbäume bauen auf Sakugawa auf, den ersten „offiziellen" Meister. Das Karate von Okinawa enthält verschiedene Elemente der chinesischen Kampfkunst. Der größte Teil daraus stammt aus der Schule des Südens, aber bei näherer Betrachtung der Techniken stellt man fest, dass zwei von drei Techniken des heutigen Karate, das Shuri Ti und das Tomari Ti, aus der Schule des Nordens stammen. Sakugawa erhielt die außergewöhnliche Erlaubnis, sich in Peking aufzuhalten, wo die Schule des Nordens praktiziert wurde. Wir können von der Hypothese ausgehen, dass die Einführung der Elemente der Schule des Nordens durch einen aus Okinawa stammenden Reisenden an Sakugawa übergebe wurde. Noch vor dieser Zeit war es üblich, dass die meisten Menschen, die von den Ryu Kyu Inseln kamen, in der Stadt Fuzhou Zwischenstation machten. Einer Stadt im Süden Chinas, von der aus der Handel mit den japanischen Nachbarinseln ausging. Aus diesem Grunde dominierten die Elemente des Karate vor der Zeit Sakugawas hauptsächlich infolge der Einflüsse der chinesischen Kampfkunst aus der Schule des Südens. Durch die Einführung neuer Elemente in das Karate von Okinawa durch Sakugawa begann eine neue Entwicklung. Diese Elemente charakterisieren die Bewegung des Shuri, und schließlich die des Tomari, das daraus hervorgeht. Die Budo Historiker sind der Meinung, dass Sakugawa sich zu drei Gelegenheiten in China aufhielt und jeweils bis Peking reiste. Anlässlich seiner dritten Reise wurde er durch einen Bekannten in Peking Sokon Matsumura vorgestellt, der in der Folgezeit einen großen Einfluss auf das Karate von Okinawa nehmen sollte. Während dieses Aufenthaltes in Peking erkrankte Sakugawa und verstarb im Jahre 1837. Stand der Daten 1996 |