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Menkyo Kaiden
Das Menkyo ist ein altes japanisches System, mit dem die Graduierungen in einem Dojo kunstvoll niedergeschrieben werden. Doch was bringt das Menkyo einem Schüler, wenn er über die Schwelle des Dojos tritt? Das Menkyo System ist in Japan sehr populär und wird seltsamerweise im Abendland und vor allem in Europa beinahe ignoriert. Doch was kennzeichnet die Terminologie Menkyo?
Men: die Handpflege (reru), sich zurückziehen. Die Interpretation ist damit deutlich: Jener, der ein Menkyo erhält, ist von der Autorität des Meisters befreit und gleichzeitig autorisiert, sich in der jeweiligen Kunst zum Ausdruck zu bringen: die Ersteigung der letzten Treppe (Kai-Treppe). Verantwortung gegenüber dem MeisterZahlreich sind die Ryu (Schulen), die in ihrem System den Titel Shihan beinhalten, der dem des Menkyo Kaiden vorausgeht, wie z.B. beim Denshokan Hakko Ryu. Derart konditioniert, wie wir es durch das in Europa geltende System der Titel und Graduierungen sind, das zu schnell als „klassisch" abgetan wird, haben wir vergessen, dass dieses „progressive" System gerade einmal aus der Epoche des Meisters Kano stammt. Er schuf es, um Judo mehr zu einem Sport als zu einem Kampf zu entwickeln. So benennen wir das moderne System einfach „progressiv". Wir könnten es auch das System der Belohnung oder der Strafe nennen... Tatsächlich enthält das moderne, progressive System mehr Ausbildungselemente für den Einzelnen während es gleichzeitig Anlass zu Streit bei der Bestätigung seiner selbst gibt, dem Geschmack des Könnens. Das traditionelle System, jenes des Menkyo, verpflichtet im Gegensatz dazu die Verantwortlichkeit des Schülers, seinen Platz zu finden, sowohl sich selbst als auch seinem Meister oder der Schule gegenüber. Wussten Sie, dass anerkannte Meister wie Kano, Ueshiba, Takeda, Yagyu, Saigo, Okuyama usw. die Kampfkünste nach dem Menkyo System studierten? Die von ihnen erlangten Titel und Graduierungen wurden nach diesem Modus, der seinerzeit Gültigkeit hatte, erreicht. Im Laufe einer Art initiierender Rundreise ging der zukünftige Meister, mit seinem Pilger Baton ausgerüstet, von Dojo zu Dojo, wo er einen oder mehrere Menkyo erhielt. So kam es, dass die Begabtesten und Beharrlichsten ihrerseits junge Gründermeister (Soke) dieser Neuheit (Ryu) wurden. Häufig gab es in diesen traditionellen Dojos nur drei Graduierungen für die erzielten Fortschritte: Den Shoden, den Okuden und schließlich den Menkyo Kaiden.
Der Shoden vertrat die erste Ebene: Die Einweihung der Anfänger. Im pädagogischen System des Menkyo könnten wir sagen, dass die Tür des Dojos in zwei Richtungen geöffnet ist. Die aller erste Aufgabe eines Dojos besteht darin, Wissen zu vermitteln, jedoch nicht zwangsläufig Anhänger zu bilden. Der Sensei führt die Schule, das Kancho, nicht als Wahlfach, sondern um denjenigen an seinem Wissen und seiner Erfahrung teilhaben zu lassen, der darum fragt. Denn man muss sich in Erinnerung rufen, dass der Schüler derjenige ist, der fragt, nicht umgekehrt. Dies hat sich im Laufe der Zeit ein wenig geändert. Um an einem nach dem Menkyo System organisierten Lehrgang teilzunehmen, ist im allgemeinen keinerlei Voraussetzung erforderlich. Es genügt, mit der ersten Ebene anzufangen, die von der Schule vorgeschlagen wird. Anschließend wird jede weitere Ebene in der vorgeschlagenen Reihenfolge absolviert. Vorkenntnisse oder vorherige Graduierungen haben keine wesentliche Bedeutung. Nur der Wissensdurst und die Bereitschaft zur Teilnahme an einem einzigartigen Erlebnis sind erforderlich. Für den suchenden Schüler sind darüber hinaus Teilnahmen an außerordentlichen Seminaren möglich, die auch mit einem Zertifikat, das sowohl die Teilnahme als auch das erreichte Niveau bescheinigt. attestiert wird. Diese werden durch den Meister der Schule durchgeführt. Dieses Zertifikat stellt jedoch in keinster weise eine Beurteilung des Schülers durch den Lehrer dar. Jedes Seminar findet in acht Durchgängen mit kleinen Schülergruppen statt. Es handelt sich also um eine Lehre, die in intimer Atmosphäre mit dem Meister durchgeführt wird. Die Teilnehmer sind verpflichtet, bis zum Ende an diesem Seminar teilzunehmen und den Inhalt vertraulich zu behandeln. Der Inhalt dieser Seminare richtet sich nach dem Wissensniveau, das von den Schülern angestrebt wird. Und es gibt Momente, die sind einzigartig. Die durch das Menkyo System erreichten Titel und Graduierungen sind jedoch nichts anderes als eine Art Zeugnis. Jedes Seminar wird durch eine Darstellung der einzelnen Schüler beendet, die nicht durch den Meister beurteilt wird. Keine Kommentare. Keine Beurteilungen. Es wird keinerlei Hinweis oder Vorzug gewährt. Jedes Seminar schließt mit einer besonderen Zeremonie, meistens dem Rito Shinto, um den Moment zu heiligen und bei den Schülern das einzuprägen, was in diesem Seminar bei ihnen geweckt wurde. Während der Zeremonie wird dies sowohl durch einige Schüler als auch den Meister selbst zum Ausdruck gebracht. Es wird bei dieser Gelegenheit auch darauf hingewiesen, dass das Zertifikat nicht die Funktion einer Benotung hat, noch das es die Erlaubnis zur Erteilung von Unterricht oder Weitergabe des erlernten Wissens gibt. Man benötigt in der Tat eine gewisse Zeit, um das erlernte Wissen zu vertiefen. Viele Schüler, die sich von diesem Seminar und dem darin Erlernten angesprochen fühlen, zögern nicht, das gleiche Seminar mehrfach zu besuchen. Es ist unerlässlich, wie die Pädagogik dieses Systems realisiert wird. Ein jeder hatte bereits Gelegenheit, den Wert eines Grades in etwa zu beurteilen: Steht ein 6. Dan für die stets gleiche Identität seiner Träger, sei es im Hinblick auf dessen Gesundheitszustand, seelische oder emotionale Ausgeglichenheit. Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist. Gibt uns ein Prüfungssystem die Sicherheit der gleichen Beurteilung derer, die Titel, Graduierungen, Diplome und Zertifikate erhalten? Bei einem vertraulichen Lehrgang ist es sicher, dass der Einzelne sich auf seinem ureigenen Niveau entwickeln kann und die Aufmerksamkeit entwickelt, eine Fähigkeit zur Anpassung. Wie wir bereits vorher betonten, wirkt das Menkyo-System als Verstärker auf den Schüler ein: Letztendlich frei von Wertbeurteilungen, stellt es nichts anderes als eine Verantwortlichkeit im Hinblick auf die erhaltene Lehre dar... Ursprünglich war der Makimono ein simpler Brief, ein Anschreiben, das in aller Regel an Personen der höheren Gesellschaftsschicht versandt wurde. Unter Makimono versteht man die Schriftrolle als auch das Kunstobjekt. An seiner äußeren Seite befindet sich eine Holzrolle, auf die das Papier aufgewickelt wird. Im allgemeinen findet man den Makimono reich verziert vor. Die Holzdose, in der es aufbewahrt wird, ermöglicht gleichzeitig eine gute Konservierung des Dokuments. Die Form selbst und das Holzstück haben den Vorteil, das Dokument vor sich ausbreiten zu können. Heutzutage betrachtet man den Makimono als ein esoterisches Schriftstück einer Schule, eines „Ryu", auf dem die besonderen Techniken verzeichnet sind sowie weitere Kommentare und Lehren, die der Soke (Gründer) übermitteln möchte. Diese Makimonos werden nur zu besonderen Unterrichtungen herangezogen und kennzeichnen die Entwicklung des Schülers. Im allgemeinen geschieht dies anlässlich der Verleihung von Titeln wie „Shihan" oder „Menkyo Kaiden Shihan ". Es bleibt vertraulich und ihr Inhalt ist ein „Geheimnis " der Schule, das nur mit den Eingeweihten geteilt wird. Auf den abgebildeten Fotos sind nur wenige Zentimeter aufgerollt, die nur den Namen der Schule, den des Gründers und die Einleitung zu seinem Inhalt erkennen lassen. Einige Makimonos können die Länge von mehreren Metern erreichen. Quelle - Budo International 05/96 oder als Wiederholung Budo Karate 01/2001 Ach ja, hätte ich fast vergessen - der Menkyo Kaiden ist in Japan ebenfalls der Führerschein!
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